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Von den heimlichen Rosen
Oh, wer um alle Rosen wüsste,
die rings in stillen Gärten stehn -
oh, wer um alle wüsste, müsste
wie im Rausch durchs Leben gehn.
Du brichst hinein mit rauen Sinnen,
als wie ein Wind in einen Wald -
und wie ein Duft wehst du von hinnen,
dir selbst verwandelte Gestalt.
Oh, wer um alle Rosen wüsste,
dir rings in stillen Gärten stehn -
oh, wer um alle wüsste, müsste
wie im Rausch durchs Leben gehn.
Foto: H. Achenbach
Da nimm
Da nimm. Das lass ich dir zurück, o Welt...
Es stammt von dir. Es sei von neuem dein.
Da, wo ich jetzo will hinaus, hinein,
bin ich nicht mehr auf dich gestellt.
Da gilt der blasse Geist allein,
den ich mir formte über dir
ach, nur wie einen blassen Opferrauch, -
da gilt nur noch der, ach, so schwache Hauch,
der von dem "Christus lebt" in mir.
Ich hebe Dir mein Herz empor
Ich hebe Dir mein Herz empor
Als rechte Gralesschale,
das all sein Blut im Durst verlor
nach Deinem reinen Mahle,
o Christ!
O füll es neu bis an den Rand
Mit Deines Blutes Rosenbrand,
dass: Den fortan ich trage
durch Erdennächt' und -tage,
Du bist!
Foto: H. Achenbach
An den Andern
Ich hatte mich im Hochgebirg verstiegen.
Die Felsenwelt um mich, sie war wohl schön;
doch konnt ich keinen Ausgang mir ersiegen,
noch einen Aufgang nach den lichten Höhn.
Da traf ich Dich, in ärgster Not: den Andern!
Mit Dir vereint, gewann ich frischen Mut.
Von neuem hob ich an, mit Dir, zu wandern,
und siehe da: Das Schicksal war uns gut.
Wir fanden einen Pfad, der klar und einsam
empor sich zog, bis, wo ein Tempel stand.
Der Steig war steil, doch wagten wir's gemeinsam...
Und heut noch helfen wir uns, Hand in Hand.
Mag sein, wir stehn an unsres Lebens Ende
noch unterm Ziel, - genug, der Weg ist klar!
Dass wir uns trafen, war die große Wende;
aus zwei Verirrten ward ein wissend Paar.
Foto: H. Achenbach
Gewaltig segelst du mit mir
Gewaltig segelst du mit mir, mein Ball,
des Äthers unermessne Flut einher;
mir unvernehmbar bleibt dein Sphärenschall,
doch schau ich rings das uferlose Meer.
Mich schwindelt nicht; Gewohnheit blickt mir treu
Aus hundert trauten Bildern Tröstung zu
und sänftigt nahes Graun zu frommer Scheu –
und dankbar birgt mein Ich sich in sein Du.
Foto: H. Achenbach
Die zur Wahrheit wandern
Die zur Wahrheit wandern,
wandern allein,
keiner kann dem andern
Wegbruder sein.
Eine Spanne gehn wir,
scheint es, im Chor...
bis zuletzt sich, sehn wir,
jeder verlor.
Selbst der Liebste ringet
irgendwo fern;
Doch wers ganz vollbringet,
siegt sich zum Stern,
schafft, sein selbst Durchchrister
Neugottesgrund -
und ihn grüßt Geschwister
Ewiger Bund.
Es ist Nacht
Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält’s nicht aus,
hält’s nicht aus mehr bei mir.
Legt sich dir auf die Brust
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.
Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.
Foto: H. Achenbach
Gewaltiger
Gewaltiger, der Du aus Geisteshöhn
Auf Deinen armen Sohn der Erde schaust: -
Ich sah!
Und kann nun fürder nimmer leben mehr,
wie ich bisher gelebt.
Erhabenster,
hilf mir auf meinem neuen Lebensweg,
von dem ich nur erst dieses Eine weiß:
Sein ganzer Sinn muss Hülf' und Opfer sein.
Ich sah,
die Augen wurden aufgetan,
die lange erst im Halbschlaf rings geirrt...
Foto: H. Achenbach
Gib mir den Anblick deines Seins
Gib mir den Anblick deines Seins, o Welt...
Den Sinnenschein lass langsam mich durchdringen...
So wie ein Haus sich nach und nach erhellt,
bis es des Tages Strahlen ganz durchschwingen -
und so wie wenn dies Haus dem Himmelsglanz
noch Dach und Wand zum Opfer könnte bringen -
dass es zuletzt, von goldner Fülle ganz
durchströmt, als wie ein Geisterbauwerk stände,
gleich einer geistdurchleuchteten Monstranz:
So möchte auch die Starrheit meiner Wände
sich lösen, dass dein volles Sein in mein,
mein volles Sein in dein Sein Einlass fände -
und so sich rein vereinte Sein mit Sein.
Ich bin aus Gott
Ich bin aus Gott wie alles Sein geboren,
ich geh in Gott mit allem Mein zu sterben,
ich kehre heim, o Gott, als Dein zu leben.
Erst wurde ich aus Deinem Ich gegeben,
dann galt es, dies Gegebne zu erwerben,
Dir als ein Du es Brust an Brust zu heben.
Da wollte Stolz es mittendrin verderben,
und es ward Dir, und Du warst ihm verloren...
Bis dass Du übermächtig mich beschworen!
Da ward ich Dir zum andernmal geboren:
denn ich verstand zum erstenmal zu sterben,
denn ich empfand zum erstenmal zu leben.
Ich bin der Weg
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben,
niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Ihr mögt nach allen Winden streben -
wer flöhe - Sich?
Sich aber sah nur einer: Ich.
Mich fassend, mich, in Geist und Wahrheit mich,
wirst du der Finsternis entschweben.
O fass mich doch! O lass mich dich erheben!
Ich liebe dich.
Gemälde: El Greco
Ich und der Vater sind eins
...und jede Pflanze sollst du in dir fühlen
Und jeden Stein und jeden Hauch der Luft!
Sie sind ja nur in Dir!
Sie sind ja nur mit Dir!
Tu ab die Fremdheit, die dich hässlich macht!
Das Schaffen deines Gottes, der du selbst,
lieb es voll Schmerz und Seligkeit, wo irgend
du sein gewahrst!
...und schönres Wort vielleicht
fand nie ein Mensch für sich,
den dreimal Unbegreiflichen,
als da er, ratlos, anders sich zu nennen,
sich Sohn und Vater nannte -
und in Christus sprach:
Ich und der Vater -
sind Eins.
Gemälde: William Blake
Kind, wie eine Wolke
Kind, wie eine Wolke
Hüllt dein Bild mich ein,
macht in Welt und Volke
meinen Schritt allein.
Wunderlich Gebärden
vor dem Wanderschuh!
Alle Dinge werden
mir ein einzig Du.
Mädchen, wardst die Welt du?
Welt, wardst du mein - Weib?
Bist, urewig Zelt, du -
mein - der Gottheit - Leib?
Progressus Dei
Tag für Tag begegnen mir am Morgen
schwarze Lämmer, gleich "Ideen des Bösen",
und ich denke nach, sie zu erlösen;
doch sie haben wahrlich andre Sorgen.
Wollen alles eher, als erlöst sein,
nicht von ihrem Leib, noch ihrer Seele.
Doch gar bald wird ihre Haut entblößt sein
und gar bald durchschnitten ihre Kehle.
Denn so löst man schließlich das Problema:
Man zerbricht sie wiederum zu Erde.
Weiter muss der Gott, das ist das Thema.
Auch der Mensch muss sterben, dass ER werde.
Fresco: Michelangelo
Quellen des Lebens
Quellen des Lebens fühl ich in mir springen,
Quellen alturalten Lebens,
Quellen des Lebens hör ich in mir singen:
"Nichts ist vergebens! Nichts ist vergebens!
Tief aus Chaos führt der Weg alles Strebens
hoch zu Gott in tausend Spiralenringen...
Gott selbst bist du auf Vogel-Phönix-Schwingen
ewig neuen zu dir selbst Erhebens.
Höher immer, bis zum Unfassbaren,
lebst du dich die Leiter der Möglichkeiten -
bis du dein in deiner unendlichen Fülle
inne wirst, Herr dann der Gestirnheerscharen,
in dir, Welt-Ich, dann alle Räum' und Zeiten,
Ewigkeit allein dann noch deine Hülle!"
Nimm an
Nimm an, es gäbe einen Himmelsherrn;
So wollen wir von ihm für einst erflehn:
Er lasse uns auf irgendeinem Stern
Als einen Strauch voll Rosen auferstehn.
Ich will die Wurzel sein, Du sei der Strauch,
ich will die Zweige sein, Du sei das Blatt,
ich sei die Rose, Du sei ihr Arom.
So ineinander unaufhörlich satt,
so eins in jeder Faser, jedem Hauch,
sei unser Leben dann ein Dankesstrom.
Foto: Ch. Achenbach
Und so hebe dich denn...
Und so hebe dich denn
aus den Nebeln des Grams
auf des Selbstvertrauens
mächtigen Fittichen
aufwärts,
bis du dir selber
mit all deinem Leide
klein wirst,
groß wirst
über dir selber
und all deinem Leide.
Von zwei Rosen
Von zwei Rosen
duftet eine
anders, als die
andre Rose.
Von zwei Engeln
mag so einer
anders, als der
andre schön sein.
So in unzähl-
baren zarten
Andersheiten
mag der Himmel,
mag des Vaters
Göttersöhne-
reich seraphisch
abgestuft sein...
Foto: H. Achenbach
Zum Abschied
Die du durch meinen Tag
geglitten bist, wie Sonnenlicht
durch Gänge dichtbelaubt,
du liebes lichtes Haupt,
zerbrich mir nicht!
Wenn dir das Leben einst die Zunge löst
er wilden Klag
und dir das Haar zerzaust
und mit der Faust
dich vor die Stirne stößt:
Dann denk an mich ...
ich
litt
wie nur ein Mensch von seiner Hand
und stand
und stritt
mich dennoch durch zum Licht.
O du, und alle, die ich liebe, mit,
zerbrecht mir nicht!
Foto: H. Achenbach




