Jacob Böhme

"Wer in Sein Licht sieht, muss Seine Wunder verkündigen, Seinen herrlichen Namen offenbaren und preisen"

Einleitung

"Wer in Sein Licht sieht, muss Seine Wunder verkündigen, Seinen herrlichen Namen offenbaren und preisen." Wir haben diesen Text, entlehnt aus einem von Böhmes Theosophischen Sendbriefen, bewusst gewählt, weil er so vollkommen Böhmes eigenes Leben kennzeichnet. Was er an Erkenntnis über Gott, die Schöpfung und den Platz des Menschen darin (‚das Wunder') empfing, gab er jedoch ständig weiter an andere, damit auch sie zu dieser Erkenntnis kommen könnten.

Dieses Empfangen der Gotteserkenntnis durch Böhme - oft angedeutet mit "höheres Schauen", "erleuchtet sein", "Eingebungen" - können wir in moderner Terminologie umschreiben als "Autorität der Intuition". Mit Hilfe dieser Intuition erlangte er Erkenntnis über die Schöpfung und den Platz des Menschen in der Schöpfung. Wenn man sich daraufhin fragt, was die Quelle dieser Intuition ist, kann man die Antwort bei Böhme selbst, unter anderem im Vorwort von "Aurora", finden: es ist der Heilige Geist. Er erklärt dies wie folgt: wenn die Seele durch den Heiligen Geist entzündet wird, dann wird die Kenntnis Gottes in das Feuer des Heiligen Geistes gesät wie ein Samenkorn. Dieses Samenkorn wird wachsen, wenn der Mensch danach strebt, in der Seele das Gute über das Böse herrschen zu lassen. Ein solcher Mensch übergibt seine Seele völlig dem Willen Gottes. Was Böhme hiernach unter Heiligem Geist, Gott und Seinem Willen versteht, kann im Lauf dieses Vortrages für Sie deutlich werden.

Im Augenblick möchten wir erst noch auf einige andere Dinge eingehen. So scheint zum Beispiel der oben beschriebene Prozess, im Zustand der Erleuchtung zur Erkenntnis zu kommen, für Böhme nicht immer einfach gewesen zu sein. Der Autor erzählt beispielsweise in einem Brief über seine Anstrengungen, die eigene Einsicht und den eigenen Verstand schweigen zu lassen, damit Gottes Wille in ihm arbeiten könne. Und auch der Leser, der Böhmes Werke zur Hand nimmt, wird seinerseits mit einigen Problemen konfrontiert, die wir hier vor Sie stellen möchten.

Boehme Gnadenwahl

"Das dritte Prinzip, worin der Mensch steht. Daraus soll sich zeigen, was aus ihm erwachsen soll: Lichtgeburt oder Verderben."
Aus: Von der Gnadenwahl, Amsterdam 1682

Das erste Problem erwähnt Böhme selber an vielen Stellen seiner Schriften. Er weist dort auf die Begrenztheit des menschlichen Vermögens hin, einfach so, ohne weiteres, verstehen zu können, was er bespricht und beschreibt; kann doch jeder, in dem obenerwähntes Urprinzip nicht anwesend ist, der also nicht durch den heiligen Geist entzündet ist, nicht auf die gleiche Weise wahrnehmen oder zu den gleichen Überlegungen kommen wie der Schreiber. So sagt er zum Beispiel in "Aurora":
"Denn in Fleisch und Blut kann man dies nicht verstehen, wenn man es auch liest, so ist doch ein Nebel vor den Augen..."

Der Leser von "Aurora" wird übrigens nicht nur über sein Denkvermögen angesprochen. Böhme wendet sich zugleich explizit an das Herz, die Gefühle, wie aus folgendem Text hervorgeht: "Achtet ausdrücklich auf die Ordnung dieses Buches, und Ihr werdet finden, was Euer Herz verlangt oder jemals begehren wird."

Ein zweites Problem ist von praktischer Art: Böhme erwähnt selbst in den Sendbriefen, dass er im Laufe eines Kapitels oder einer Schrift ein und dasselbe auf verschiedene Arten auslegt, etwas, was ein richtiges oder eindeutiges Begreifen dessen, was er mitteilen will, nicht einfach macht. Er entschuldigt sich dann auch mehrere Male für die Tatsache, dass er an bestimmten Stellen schwer zu verstehen ist. Böhme bemühte sich jedoch, wenn er eine "Intuition" in Worte fasste, den lebendigen Strom Gottes festzuhalten: er benutzt die Sprache nicht nur, um über seine Erfahrungen zu sprechen, nein, er wollte, dass die Worte und Begriffe wegen ihrer Bedeutung zugleich die Wahrheit übertragen sollten. Es ist überdies nur in beschränktem Maße möglich, das Gesamtbild, das Böhme den Lesern überreicht, in all seiner Tiefe zu überschauen. Dafür ist das gesamte Bild nach unserer heutigen Auffassung auch zu umfassend und zu komplex und, was die Kernbegriffe angeht, zu wenig verständlich beschrieben.

Zusammenfassend können wir dann auch feststellen, dass ein objektives Lesen der Werke Böhmes im Sinne moderner Normen mühsam ist. Der Autor spricht zu Lesern, die an die Erkenntnis glauben, die er überträgt, die sein Wort als Leitfaden annehmen, und die den Weg, den er weist, mit ihm gehen wollen. Eingedenk aller obigen Schwierigkeiten wird sich dieser Beitrag zu unserem Symposion dann auch auf die großen Linien von Böhmes Vision des göttlichen Wesens und der Schöpfung beschränken. Hierbei geht es uns nicht darum, sein Werk zu erklären oder in die Zeit zu stellen. Wir sind vielmehr bestrebt, ein Bild seiner Auffassungen zu geben. Das Buch "Aurora oder Morgenröte im Aufgang" diente als Basis, weil dieses Buch die Mehrheit der zu besprechenden Ansichten und Erwägungen ausführlich oder in gedrängter Form beinhaltet. Von diesem Buch lieferte Jan van Rijckenborgh eine Übersetzung, die 1939 bei Uitgevers Maatschappij "Hora Est" (nun die Rozekruis Pers) in Haarlem erschien.

Die heilige Dreifaltigkeit

Einer der ersten Begriffe von Böhmes Gottesbild, den wir Ihrer Aufmerksamkeit empfehlen, ist die Andeutung "heilige Dreifaltigkeit". Böhme spricht über das göttliche Wesen als "Ungrund". Dies ist als das Nichts zu verstehen; als ein allumfassendes Zentrum; als eine absolute Freiheit von Formen und Inhalten. Von diesem Nichts geht der göttliche Atem aus: Kräfte, die drei- und siebenfach ausgestrahlt werden.

Das göttliche Wesen manifestiert sich also "zuerst" dreifach vermittels drei Gruppen von Kräften. Es ist Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Böhme beschreibt diese Dreifaltigkeit auf mehrere Arten. Würden wir hier einen Versuch wagen, diese Beschreibungen zusammenzufassen - es würde uns nicht gelingen. Jegliche Zusammenfassung oder Umschreibung versagt hier. Darum haben wir hier folgende Kernsätze aus "Aurora" ausgesucht, worin Böhme selber sagt: "Der Vater ist die göttliche Kraft, aus welcher alle Geschöpfe geboren sind... Er hat keinen Beginn und kein Ende. Der Sohn ist in dem Vater, des Vaters Herz und Licht, und die Kraft und der Glanz des Sohnes strahlt wieder zurück in den Vater...Und obwohl der Sohn eine andere Persönlichkeit ist als der Vater, so ist er auch nicht außerhalb des Vaters und auch ein Gott mit dem Vater und ist Seine Kraft, Sein Glanz und Seine Allmacht nicht geringer als die des Vaters. Der Heilige Geist geht aus von dem Vater und von dem Sohn und ist die dritte selbständige Persönlichkeit im göttlichen Wesen."

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Böhme das göttliche Wesen und die drei Gestalten in diesem Wesen in dieser Beschreibung als Kräfte ansieht. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind Kräfte, die eins sind im göttlichen Wesen, sich jedoch gesondert manifestieren.

In der heutigen Zeit ist der Mensch mit dem Begriff "Kraft" vertraut, die ja als Strahlung, als Licht gemessen wird. Kräfte sind im täglichen Leben wirksam und im All wahrnehmbar. Zur Zeit Böhmes jedoch muss der Begriff "Kraft" ein vollkommen neuer Begriff gewesen sein, sowohl für seine Andeutung von der Gottheit, als auch in seiner Beschreibung der Schöpfung. Für Böhme selbst ist der Gebrauch des Wortes "Kraft", wenn es um göttliche Dinge geht, übrigens normal. So beginnt er zum Beispiel einige Briefe mit einem Segenswunsch, worin er von "Kraft" spricht: "Licht, Heiligung und die ewige Kraft aus dem Quell des Herzens von Jesus Christus sei unsere Erquickung" (Theosophische Sendbriefe). Manchmal beschreibt er auch das Gottesreich als Kraft.

Auch der Begriff "Natur", das ist die allumfassende Schöpfung, wird von Böhme durch verschiedene Wortschöpfungen als Kräfte definiert: die allumfassende Schöpfung ist das Resultat von Kräften. Die Eigenschaften der Schöpfung, woraus alle Elemente und also auch die Geschöpfe, die Dinge, zusammengesetzt sind, entstehen aus Kräften. Diese Eigenschaften können einander auch entzünden. Wenn Böhme den Ausdruck "entzünden" gebraucht, dann meint er damit, dass sich die Art der Eigenschaft, die entzündet wird, verändert. In seinen Betrachtungen spricht er auch vom "im Heiligen Geist Entzündet-Werden", wie soeben erwähnt wurde.

Zurückkehrend zu dem Begriff "heilige Dreifaltigkeit" können wir noch eine andere bemerkenswerte Gegebenheit konstatieren: Böhme beschreibt die drei Kräfte im göttlichen Wesen tatsächlich nach ihrer "Funktion", nach ihrer Wirkung. So nennt er die "Gott-der- Vater-Kraft" den Bronn aller Schöpfung; die "Gott-der-Sohn-Kraft" macht diese Schöpfung offenbar. Der Heilige Geist ist die Kraft, die innerhalb der Schöpfung Entwicklung bringt.

Um dies zu verdeutlichen, bringt Böhme einen Vergleich mit dem All: Den Raum, die Planeten und die Sterne kann man als Gott den Vater ansehen. Die Sonne wird von ihm mit Gott dem Sohn verglichen: sie macht das All sichtbar. Ohne die Sonne könnte das All nicht wahrgenommen, nicht gekannt werden. Analog zu dieser Erklärung merkt er an, dass ohne die "Gott-der-Sohn-Kraft" der Mensch Gott den Vater, die Schöpfung, nicht erkennen könnte. Der Heilige Geist ist die aktive Kraft. Diese wird verglichen mit der Wärme der Sonne. Alle Kräfte von Gott dem Vater, von Gott dem Sohn und von dem Heiligen Geist sind wie eine einzige zentrale Kraft. Übrigens: wenn Böhme auch die Begriffe "Vater" und "Sohn" benutzt, so kann doch auf keine einzige Weise von Personifikation der Gottheit die Rede sein. Böhme erklärt, dass die Dreifaltigkeit - sei es Vater, Sohn oder Heiliger Geist - überall anwesend ist. Diese Dreifaltigkeit erkennt er auch in der Welt wieder. Alle Geschöpfe, alle Dinge, widerspiegeln die Dreifaltigkeit. Es kann nichts existieren ohne diese Dreifaltigkeit. Wenn Sie sich zum Beispiel eine Pflanze ansehen, können Sie von einer Kraft sprechen, aus welcher die Pflanze entstanden ist. Der Saft ist dann das Herz der Pflanze und der Duft, der Geschmack, die wirkende Kraft.

So wird auch im Menschen die Dreifaltigkeit widergespiegelt. Es sind auch im Menschen drei Quellen wahrzunehmen: die Kraft im Gemüt, d.h. in Herz und Haupt, widerspiegelt Gott den Vater. Aus dieser Kraft entstammt das Licht im Gemüt. Hierdurch entsteht Erkenntnis und Einsicht im Menschen. Dies widerspiegelt Gott den Sohn. Und aus der Kraft und dem Licht entsteht die Wirksamkeit im Körper. Dies widerspiegelt den Heiligen Geist in der Dreifaltigkeit. Es hängt übrigens von der Beschaffenheit des Menschen ab, ob die Dreifaltigkeit widergespiegelt wird, nämlich ob die Dreifaltigkeit tatsächlich in ihm wirksam ist.

Schließlich wollen wir zum Begriff Dreifaltigkeit noch anmerken, dass Böhme für diese Andeutung auch die folgenden Termen benutzt: der Wille oder das Verlangen; die Freude (Markus 1 Vers 11: "Dies ist Mein lieber Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen habe") und die Bewegung oder die Erzeugung.

Die sieben Urgeister (oder Kräfte oder Formen oder Eigenschaften)

Böhmes Gottesbild ist mit obenstehender Auseinandersetzung über die heilige Dreifaltigkeit jedoch nicht vollkommen beschrieben. Er spricht auch von sieben Kräften, die in dem göttlichen Wesen verborgen sind. Er spricht von sieben Urgeistern oder von Kräften oder Formen. Diese sieben Geister Gottes sind eins im göttlichen Wesen. Es sind die Kräfte, die die Schöpfung zustande bringen, die Schöpfung, worin auch die heilige Dreifaltigkeit sich ausdrückt.

Bei der Beschreibung dieser sieben Kräfte gebraucht Böhme auffallende Begriffe. Er beschreibt zugleich ausführlich, wie diese Urgeister zusammenarbeiten. Wir sollten uns hier auf das Nennen der Urgeister oder der Eigenschaften der Schöpfung beschränken, ebenso auf eine kurze Umschreibung der Art, wie diese Kräfte zusammenwirken. Ein Eindruck von den Begriffen und von der Art, wie diese Kräfte zusammenarbeiten, tiefergehend als die reine Benennung, scheint uns jedoch für einigen Begriff von Böhmes Denken wünschenswert. Darum werden wir nun versuchen, Ihnen diesen Eindruck vermittels einer fragmentarischen Beschreibung zu geben.

Die erste Kraft, die Böhme nennt, ist die des Sauren und Scharfen. Diese erzeugt Härte und Kälte und lässt durch Zusammenziehung Formen entstehen. Bei der Schöpfung wird die Form zuallererst bestimmt, darum ist diese Kraft die erste Eigenschaft.

Die zweite Eigenschaft ist die Süße. Das ist die Wärme, die Sanftheit, die Abmilderung.

Die dritte Kraft ist das Bittere. Es ist der Geist, der beweglich macht.
In diesen drei Kräften oder Urgeistern liegt das körperliche Bestehen alles Geschaffenen beschlossen.

Die vierte Eigenschaft oder Kraft ist die Hitze. Die Hitze ist der Entzünder des Lebens. Durch die Hitze wird der Geist im Körper wirksam. Die Hitze lässt das Feuer entstehen. Aus der Hitze entspringt das Licht, das durch alle Eigenschaften strahlt, durch alle Urgeister. Das Licht ist der lebende Geist.

Die Kräfte Schärfe oder Säure, die Süße, die Bitterkeit, die Hitze, diese Eigenschaften sind alle zusammen "vertrocknet", wie Böhme es nennt, und sie bilden den Körper aus. Diese vier Kräfte zusammen nennt Böhme: das erste Prinzip oder das Feuer.
Die fünfte Kraft nennt Böhme den lieblichen, freundlichen und freudevollen Geist der Liebe. Die Liebe, der fünfte Urgeist in der göttlichen Kraft, ist der verborgene Bronn. Denn dieser Geist gehört nicht zur Formung des Körpers, sondern beeinflusst ihn.
Der sechste Urgeist wird das Geräusch oder der Ton genannt, wodurch alles Klang hat und erzeugt. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Formen entsteht.
Der siebte Urgeist ist die körperliche, die alles umfassende Form, die aus den sechs Geistern geboren wird und worin alle Geschöpfe und Dinge entstehen, die Form, in welche alles gegossen wird. Es ist Geist der Natur vom Himmel. Diese letzten drei Geister nennt Böhme: das zweite Prinzip oder das Licht.

In den Schriften Böhmes kommt in diesem Zusammenhang auch das Wort "Salniter" vor. Er erklärt dies wie folgt: die Kräfte der sechs Urgeister steigen zusammen auf und fließen zusammen, jeder nach seiner eigenen Kraft und nach seiner eigenen Art. Dann entsteht, was er Härte und Trockenheit nennt; eine bestimmte Kondition der Urgeister. Diese körperliche Vertrocknung, diese Kondition, ist der göttliche Salniter, wie es auch aus folgendem Zitat aus "Aurora" hervorgeht: "Das Wort "schuf" muss man so verstehen, als ob man sagen würde: zusammenziehen oder zusammentreiben, so wie die Erde zusammengetrieben ist. Als Gott, die Gottheit sich bewegte, zog die scharfe Qualität den Salniter der Natur zusammen und ließ diesen vertrocknen."

Wie wir bereits sagten, wirken diese sieben Kräfte zusammen. Böhme gibt mehrere Beschreibungen dieser Zusammenarbeit. Der Eindruck, den der Leser dieser Beschreibungen bekommt, ist zum Beispiel der eines großen Kohlen- oder Holzfeuers. In dem Feuer sieht man allerlei Farben, die einander verdrängen und in einander aufgehen. Es sind gasartige Bewegungen innerhalb der Flammen, die allerlei Wirbel im Feuer verursachen. Das Ineinander-Aufgehen geht dann beispielsweise gepaart mit Farbveränderung. Böhme beschreibt diesen Prozess in "Aurora" manchmal mit Worten wie z.B.: "Das Dritte ist die Bitterkeit, die entsteht aus dem Vierten und dem Ersten, wenn das Dritte voll Wut mit dem Sauren kämpft, so entzündet es das Feuer, und die Bosheit entspringt in diesem Feuer und geht auf im Sauren. Und diese gleiche Bosheit wird der Geist der Bitterkeit. Selbständig und in der Süßigkeit wird er abgemildert."

Dieses gesamte Zitat handelt davon, was sich bei dem Zustandekommen der reinen Schöpfung abspielt, mit anderen Worten: Die Begriffe, die Böhme wählt, haben bei ihm in diesem Zusammenhang andere Bedeutungen, als wir es heute gewöhnt sind. Um Ihnen dies zu verdeutlichen, haben wir das folgende Zitat ausgewählt, das auch von diesem Zusammenwirkungsprozess der sieben Geister handelt: "Man möge es vergleichender Weise so verstehen, als ob sieben Menschen ein freundschaftliches Spiel der Freude spielten. Der eine triumphiert über den anderen, und der dritte kommt dem Überwundenen zu Hilfe und verweilt also einen freudigen Augenblick in ihrer Mitte. Sie streiten wohl gegeneinander, aber sind doch liebevoll gegen einander gesinnt. Also ist auch die Wirkung der sechs Geister Gottes im siebenten; einmal hat der eine Oberwasser, dann wieder der andere, und alle streiten in Liebe mit einander. Und wenn das Licht (d.h. der Sohn) inmitten dieses Kämpfens mit aufsteigt, so wohnt der Heilige Geist in der Kraft des Lichtes im Spiel der sechs anderen. Alsdann wachsen aus dem siebenten allerlei Früchte des Lebens, Gewächse und Farben. Welche Eigenschaft nun die stärkste ist, diese ist auch in der Frucht am stärksten vertreten, auch was die Farben betrifft. In diesem Arbeiten oder Streiten wird die Gottheit zu unendlicher und undurchgründlicher Gestalt und zu vielerlei Qualitäten geformt; denn die sieben Urgeister sind sieben Hauptbrunnen. ... Die Natur und die Dreifaltigkeit sind nicht ein und dasselbe; es gibt einen Unterschied zwischen ihnen, obwohl die Dreifaltigkeit in der Natur wohnt, jedoch unbegriffen und doch damit ewig verbunden."

Für den modernen Menschen ist dieses Zitat nicht merkwürdig: Kraft, Vibration, Farbe und Schall sind für ihn ja Begriffe, die zusammenhängen. Alle "Kraft" ist Vibration, und Vibration bringt Klang und Farbe hervor.

Mehrere Schöpfungen

Nach dieser ausführlichen Übermittlung von Böhmes Gottesbild möchten wir nun näher darauf eingehen, was der Autor uns reichen will, wenn er das Wort "Schöpfung" gebraucht. In diesem Zusammenhang möchten wir Ihnen die folgende Aussage eines anderen Autors vorlegen: "Es gibt absolut keinen leeren Raum." Diese Aussage aus der Fama Fraternitatis von Johann Valentin Andreä, die sich auf dem runden Altar in der Grabkammer von Christian Rosenkreuz befindet, ist vollkommen anwendbar auf das Bild der Schöpfung, das Böhme uns vor Augen stellt. Zusammenfassend gesagt: aus dem göttlichen Wesen, aus dem "Ungrund", dem "allesumfassenden Nichts", kommt der Atem, der dreifältig, siebenfältig bis in das Unendliche ausstrahlt, der "das All" erfüllt und woraus alles hervorgeht. Das "All" umfasst auch die Welt des sterblichen, des fleischlichen Menschen.

Böhme weist seine Leser auf die Eigenschaften hin, die aus den Urgeistern entspringen. Sie sind in dieser Welt sichtbar. Es sind die Eigenschaften, aus welchen die Elemente Wasser, Luft, Feuer, Erde herrühren und woraus alle Geschöpfe und Dinge zusammengesetzt sind. Es sind die Eigenschaften der vier ersten Geister oder auch des ersten Prinzips, der Säure, der Süße, der Bitterkeit und der Hitze. Dann erklärt er, dass in diesen Eigenschaften zwei Qualitäten vorkommen, nämlich das Gute und das Böse.

Das Gute und das Böse sind darum in unserer Welt der Bronn aller Geschöpfe und Dinge, weil alle Geschöpfe und Dinge aus diesen Eigenschaften, aus diesen Elementen zusammengesetzt sind. Unsere Welt hat also ihren Ursprung nicht im ersten und zweiten Prinzip, aus dem Feuer und dem Licht oder aus Gott dem Vater und Gott dem Sohn, bringen diese doch stets Schöpfungen hervor, die vollkommen in Übereinstimmung mit dem Atem aus dem göttlichen Wesen sind. Jedoch durch das Gift Satans, von Böhme "Luzifer" genannt, wird in den Eigenschaften des ersten Prinzips das unheilige Feuer entzündet. Dies ist die Folge davon, dass ein Geschöpf sich über Gott erheben wollte, über den Willen, die Gesetze Gottes. Wenn ein Geschöpf das tut, dann wird ein unheiliges Feuer entzündet. Dann wird die erste Eigenschaft, die Säure, zu einer höllischen Erscheinung; wir zitieren aus "Aurora":
"ein großer Verdruss durch das höllische Feuer, eine Eigenschaft der Dunkelheit, der Schlüssel zur Totenkammer und zum Tod."

Aber auch die anderen Eigenschaften verändern sich in ihrer "Wirkung". Das Bittere wird beißendes Gift: "der Geist eines zornigen, neidischen Gottes." Das Süße wird Schimmel. Das Feuer wird zu einem verzehrenden, verletzenden Feuer, welches das Licht auslöscht. Dieses nun, und besonders die erste Eigenschaft, nennt Böhme den Quell des Zorns. Und wir zitieren wieder: "...wenn es (das Geschöpf) sich jedoch erhebt und sich das Zornfeuer ebenda entzündet, so entzündet es auch das Haus Seines Vaters und ist abtrünnig von demjenigen, woraus es geschaffen ist, und es macht aus demjenigen, was vor seinem Aufstand eins war, zwei... So schüttet die Liebe das Zornfeuer über das Geschöpf aus und wirft das Geschöpf gleichzeitig hinaus... Jedoch der Vater hat es nicht enterbt."

So ist also in der Vision von Böhme die Rede von mehreren "Welten": die der heiligen Engel, die der Menschen und die der Teufel. Die heiligen Engel sind die Wesen, die "in Gott leben". Die Menschen leben nicht (mehr) direkt aus Gott. Wenn die Menschen wieder aus Gott, aus der Einen Kraft, leben werden, dann begeben sie sich, nach der Auferstehung, in die Welt der heiligen Engel, die reine Natur.

Auf diese Weise macht Böhme deutlich, dass nicht Gott der Quell des Guten und des Bösen ist, sondern das Geschöpf, das die Eigenschaften als Folge des Eigenwillens entzündet. Darum spricht Böhme über das dritte Prinzip, das Feuer und das Licht in einem unheiligen Zusammengehen: Gott in Zorn und Liebe ist die Basis der irdischen Schöpfung. In der Schöpfung, worin wir leben, ist der Mensch und jedes Geschöpf und jegliches Ding eine Vermischung von Gut und Böse. Alles kommt von dem bösen Salniter. Die Natur, der Mensch, bringt durch die unreinen Kräfte, durch die bösen Eigenschaften, unreine Früchte und Werke hervor.

Weil in dieser Welt die sieben Kräfte nicht mehr in Harmonie miteinander arbeiten, sondern in Disharmonie sind, in einem gegenseitigen Streit, deshalb ist auch Streit im Menschen. Die sieben Geister sind nicht in jedem Menschen im gleichen wechselseitigen Verhältnis anwesend. Daher entstehen Gegensätze zwischen den Menschen. Deshalb unterliegt der Mensch Spannungen, und in Wahrheit brennt er. Man könnte sagen, dass die ganze unheilige Schöpfung im unheiligen Feuer brennt.

Nun kann der Mensch in dieser Natur dadurch einigermaßen etwas von der reinen Natur erfahren, indem er diese Welt studiert. Auch wenn all das, was die Natur dieser Welt hervorbringt, unheilig und böse ist, so ist es doch eine Wiederspiegelung dessen, was in der reinen Schöpfung auftritt, wenn sich auch der sterbliche Mensch von dieser reinen Schöpfung kein gutes Bild machen kann.

Der Kampf des Menschen gegen das Böse in ihm

Bei Böhme ist also die Rede von zwei Naturen, zwei Schöpfungen. Er unterscheidet außerdem auch zwei Menschentypen. So spricht er zum ersten von Menschen, die Engeln gleichen, das heißt, Geschöpfen, die aus der Harmonie der Wirkung der sieben Kräfte, aus dem ersten und zweiten Prinzip, entstanden sind: der ursprüngliche Mensch und der Mensch, der einmal wieder entstehen wird, wenn der gute Weg bewandelt wird, leben in der Harmonie der Wirkung der sieben Urgeister. Ohne die Harmonie in der Zusammenarbeit dieser Kräfte ist die Rede von dem zweiten Menschentyp: dem sterblichen Menschen, einem Produkt des dritten Prinzips, genau wie die Erzeugnisse der Natur.

Böhme sagt jedoch deutlich, dass Gott nicht die Ursache ist, dass der Mensch verloren geht. Der Mensch verursacht seinen Untergang selbst. Der Wille spielt in diesem Prozess eine essentielle Rolle. Wir möchten Ihnen gerne näher übertragen, was Böhme hierüber mitteilt.

Der ursprüngliche Mensch stellte - durch das Gift Luzifers dazu gebracht - das Selbst zentral. Darauf richtete sich sein Wille und das damit verbundene Verlangen. Dadurch kam das Geschöpf aus der Einheit in die Vielfalt, in die Gegensätze, und wurde empfänglich für das Gute und Böse. Der ursprüngliche Wille und die reine Natur (das erste Prinzip, Gott der Vater) wurden wirkungslos im Menschen. Damit wurde auch das zweite Prinzip, das Licht (Gott der Sohn) für den Menschen ausgelöscht. Und so kam das dritte Prinzip zur Manifestation, und es entstanden die tierischen Formen und die irdische Ausrichtung. Böhme spricht in diesem Zusammenhang über das zweite Prinzip als über "das Königreich Gottes". In diesem Prinzip liegt der Geist der göttlichen Liebe beschlossen. Das Leben des Menschen hat in dieser Welt also seine innerliche Harmonie verloren, weil die sieben Kräfte in Disharmonie in Bezug auf einander stehen. Böhme beschreibt dies mit folgenden Worten: "Er hat den ewigen Frieden verloren und lebt sein ruheloses Bestehen in der vergänglichen Schöpfung. Das menschliche Leben will herrschen in dem, was als Rauch stets verschwindet. Immer wieder kommt der Mensch in die Finsternis, in den andauernden, unlöschbaren, schmerzlichen Feuerquell" (Six Theosophic Points).

Böhme berichtet weiter, dass die Liebe Gottes dem Menschen unmittelbar nach dem Fall zu Hilfe kam. Sein Atem ging aufs neue in die getötete ursprüngliche Natur ein und bildete einen neuen Quell von Liebe und Frieden: den Christus. Diese Kraft kann für den Menschen, entstanden aus dem dritten Prinzip, eine neue Basis bilden, eine Kraft, mit deren Hilfe das Unheilige ausgelöscht werden kann. Die Liebe Gottes strömte aus in den Christus und machte die Wiederherstellung der ursprünglichen Prinzipien möglich dadurch, dass ein Weg durch den Tod gebahnt ist, wie Böhme das nennt. Der Menschheit ist durch die Christus-Kraft eine geöffnete Tür der Gnade gegeben. Böhme zitiert in diesem Zusammenhang Joh. 15 Vers 5: "Ohne Mich könnt ihr nichts tun." Darum muss der Mensch seinen Willen vollkommen der göttlichen Gnade übergeben, in dieser Kraft aufgehen, das heißt: sich freimachen von den vergifteten Kräften.

Der Mensch muss - in dieser Christus-Kraft - seinen Willen vollkommen Gott übergeben; er darf dem Willen seines sterblichen Körpers nicht folgen. Es ist begreiflich, dass Böhme an diesem Punkt die Notwendigkeit von "Erkenntnis" betont, bleibt doch ohne diese Erkenntnis der Wille und die damit zusammenhängende Begierde auf das Irdische gerichtet. Erkenntnis des Kosmos und Selbsterkenntnis sind unentbehrliche Voraussetzungen für die fundamentale Veränderung. Übergibt er jedoch seinen Willen, dann steht der Mensch im Schöpfenden Atem; denn all "das Willenlose" in diesem Sinne ist mit dem Nichts verbunden, ist eins damit, ist aus dem "Ungrund" - aus dem göttlichen Wesen selbst. Der Mensch herrscht dann über das Äußerliche, über das Irdische, oder, in anderen Worten: über die sterbliche Begierde oder den Willen. Böhme sagt ja deutlich, dass in der sterblichen Begierde oder dem Willen der Kern, die Essenz des Teufels liegt. Er nennt dies "das Bild". (Übrigens gebraucht Böhme wiederholt den Begriff "Bild" in Zusammenhang mit dem Zustandekommen von Leben. Der göttliche Atem verleiht den Bildern Leben, Kraft. Mit dem Wort "Bild" deutet Böhme also eigentlich die essentiellen Kennzeichen einer Schöpfung an).

Böhme zeigt auf, dass das Ziel, die Übergabe des Willens, mit großem Streit gepaart geht. In allen seinen Schriften beschreibt er seinen eigenen Kampf gegen das Böse an vielen Stellen und auf vielerlei Arten, und er spornt den Leser stets an, das Gleiche zu tun. Wir zitieren: "Unser Leben ist ein fortwährender Streit mit dem Teufel. Dieser Streit ist der edle Ritterkranz, er dauert fort, bis der alte Adam-Mensch getötet wird; in diesem alten Adam hat Satan Zugang zum Menschen... Wenn er überwunden ist, so geht die Himmelspforte meines Geistes auf; dann sieht der Geist das göttliche und himmlische Wesen; nicht außerhalb des Körpers, sondern im Urquell des Herzens öffnet sich eine Tür, wodurch Ausblick entsteht auf dasjenige, was der Geist vermittels des Gehirns als stofflichem Sinneswerkzeug von den höheren Dingen sieht." (Aurora)

Die Art von Böhmes Gedankenbildern und Erwägungen

Nun, da wir uns dem Ende unserer Lesung nähern, sollten wir der Art von Böhmes Gedankenbildern noch einige Aufmerksamkeit widmen. Wenn wir die Literatur über Böhme in diesem Punkt zu Rate ziehen, können wir feststellen, dass seine Schriften auf viele verschiedene Weisen beschrieben und beurteilt werden. Die Akzente werden wechselweise gesetzt: der eine Autor legt den Nachdruck auf die Offenbarung, wodurch Böhme zur Einsicht kommt; ein anderer beschäftigt sich vor allem mit dem Stil, worin er sich ausdrückt, und seinem Gebrauch von Symbolen und Begriffen, denen er einen eigenen Inhalt verleiht. Wieder andere berichten über den hirtenhaften Charakter vieler seiner Texte oder die religiös-philosophische Art seiner Schriften.

Ein ganz eigene Sicht kommt von Dr. C. Gilly zu uns. Er weist auf den gnostischen Charakter von Böhmes Werk hin. Indem wir seine Argumente ergänzen, können wir feststellen, dass die Denkbilder und Erwägungen Böhmes deutlich von gnostischer Art sind:

* Es ist deutlich die Rede von zwei Offenbarungen, nämlich einer reinen Natur und einer unreinen Natur, wobei diese letztere gekennzeichnet ist durch Gut und Böse, Licht und Finsternis. Die unreine Schöpfung hat einen Beginn und ein Ende.

* Das Gute und Böse in der zeitlichen, unreinen Natur sind kosmische Kräfte. Das "Ewige" umschließt die unreine Schöpfung; es ist in der unreinen Schöpfung anwesend, ohne ein Teil davon zu sein.

* Die Auferstehung, d.h. die Rückkehr zur reinen Schöpfung, ist nicht ohne weiteres ein automatischer Prozess. Es muss im Menschen eine fundamentale Veränderung in sieben Kräften stattfinden, eine Veränderung, die durch die Liebe Gottes möglich wird, durch den Christus. Bedingung dafür ist, dass der Mensch danach verlangt, die unreine Schöpfung zu verlassen und sich freiwillig der Gnade Gottes übergibt.

Die modernen Rosenkreuzer und Böhme

Die Sicht, die Jakob Böhme entwickelt hat, stellt ihn in die Reihe christlicher Gnostiker, die seit dem Anfang des Christentums ihre Stimme hören ließen, alle schöpfend aus "dem unvergänglichen Quell des gnostischen Christentums". In der heutigen Zeit sind es die Gründer der Schule des Goldenen Rosenkreuzes, J. van Rijckenborgh und C. de Petri, die diese Sicht zur Menschheit gebracht haben, die die gnostische Philosophie, von welcher auch Jakob Böhme sprach, "erneut der Welt umsonst anbieten".

Vortrag: C. Goud

Übersetzung ins Deutsche: Ursula Klee

Literatur
Werke von Jakob Böhme:
Theosophische Sendbriefe Herausgegeben von Gerhard Wehr. Insel-Verlag
Von der Gnadenwahl Herausgegeben von Gerhard Wehr. Insel-Verlag
The Signature Of All Things (Signatura Rerum) Published by James Clarke & Co. Ltd.
Aurora Of Het Morgenrood In Opgang Uitgevers Mij "Hora Est" Haarlem
The way to Christ Christian classics Ethereal Library, Calvin College
Six Theosophic Points (Sex Puncta Theosophica) Ann Arbor Paperbacks
The Clavis or key John M. Watkins ltd.

Übrige Literatur:
Die Erläuterungen und Worterklärungen in Uren met Jacob Boehme dr. A.H. de Hartog, Uitgeverij Hollandia (Wiederauflage Rozekruis Pers)
"Das Bekenntnis zur Gnosis von Paracelsus bis auf die Schüler Jakob Böhmes" Dr. C.Gilly in De hermetische Gnosis in de loop der eeuwen red. Prof. Dr. G. Quispel

Jakob Böhme

Das Licht Böhmes in den Niederlanden

Man sagt immer, dass Böhme schwierig ist, zu schwierig, und deshalb ist er nur einem kleinen Kreis bekannt. Aber hier ist heute doch eine große Anzahl Interessierter beieinander, um sich in diesen seltsamen Mann aus Görlitz zu vertiefen. In drei Teilen möchte ich heute mehr über Jakob Böhme erzählen. Im ersten Teil bekommen wir wie in einem zurücklaufenden Film einen Eindruck davon, wie Böhme die Niederlande berührt hat und wie die Niederlande Böhme willkommen geheißen haben...

Im zweiten Teil dringen wir an Hand eines Textfragmentes in die tiefen Gedanken Böhmes vor. Im dritten Teil bemühen wir uns, zum Schluss das Lebens- und Gedankenmilieu zu skizzieren, aus welchem der Mensch Böhme einigermaßen zu erklären ist.

I

Mit Ihrer Teilnahme an diesem Tag fügen Sie sich in die Gesellschaft nicht der Geringsten, und Ihr Interesse kann große Folgen haben. Um nur im Heute zu beginnen: Die größte hermetische Bibliothek der Welt, gegründet von Joost Ritman, gäbe es nicht, wenn dieser am Beginn der Sechzigerjahre nicht in den Besitz einiger Bücher von Jakob Böhme gekommen wäre. Dadurch wurde er dazu "entzündet", wie Böhme selbst sagen würde, als ein wohlversorgtes Asylantenzentrum den hermetischen und esoterischen Geisteskindern Gastfreiheit zu bieten, für die in der Europäischen Gemeinschaft der regulären Wissenschaft lange Zeit kein Platz war.

Auch würden Sie hier an diesem Ort wahrscheinlich nicht sitzen können, wenn Böhme nicht gewesen wäre. Denn J. van Rijckenborgh, Gründer der Geistesschule des Lectorium Rosicrucianum, war auch durch Böhme ergriffen: nach zweihundert Jahren war er selbst der erste im niederländischen Sprachgebiet, der in der Periode vor dem Krieg Böhmes Erstling "Aurora" erneut übersetzte und herausgab. Van Rijckenborgh erkannte in Böhme das urgnostische universelle Prinzip wieder von den zwei Naturordnungen, sowie die Idee, dass der Mensch in der ursprünglichen göttlichen Schöpfung aus den sieben Geistern, die in Christus sind, erneut geboren werden kann. In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg hieß die Rozenkruisers Genootschap eine Zeitlang: die Jakob-Böhme-Gesellschaft.

J. van Rijckenborgh war in diesem Zusammenhang möglicherweise inspiriert durch den Mann, den er stets als einen seiner Lehrmeister angesehen hat: Prof. Dr. A.H. de Hartog. Dieser dynamische Pastor hatte 1915 eine Auswahl mit Fragmenten von Böhme herausgegeben. De Hartog selber war seinerseits "entzündet", wenn wir dieses Wort noch einmal gebrauchen dürfen, durch seine Ehefrau, die in Deutschland erzogene J. de Hartog-Meijes, die in ihrem Denken viel weiter gehen konnte als ihr Mann. Denn sein Priesteramt verlangte doch - zumindest in jenen Tagen - dass er innerhalb der Regeln der offiziellen Kirche bleiben würde. Frau de Hartog war - im ganz Geheimen - in Kontakt mit dem Umfeld der Quäker, die über die englischen Behmisten und Böhme-Ausgaben in dem Mann aus Görlitz eine enorme Inspiration fanden. De Hartog, ein Mann, zu dessen Predigten in der Oude Ronde Lutherse Kerk in Amsterdam man sich drängte, der es in diesen Tagen wagte, eine "spirituelle" Bewegung im Volk in Gang zu bringen - trotz des weittragenden Sozialismus von Troelstra, der ganz allein ganze Zeitschriften vollschrieb - hat während seines ganzen Lebens gesagt, dass er seine Ehefrau sehr verehre und in ihr eine "viel größere Seele" sehe als er selber sei. Frau de Hartog-Meijes hatte bereits 1909 eine kleine Auswahl aus Böhmes "Vierzig Fragen von der Seele" publiziert, welche der Schreiber 1620 auf Drängen seines Freundes, des Kabbalisten Balthasar Walther, niedergeschrieben hatte. Sie gab der Publikation den etwas unwirklichen Titel "De roede des drijvers verbroken" ("Die zerbrochene Rute des Treibers"). Diese erscheint heute anlässlich des Böhme-Symposions in einem dritten Druck bei der Rozekruis Pers.

Aus einer ganz anderen Ecke der Freimaurer versuchte auch der Chemiker A.A. van der Meulen in den Jahren vor dem Weltkrieg Böhme für das Volk wieder zugänglich zu machen. Er hatte hierfür einen Verlag "Het Rozenkruis" in Hilversum gegründet und einige schon lang verschwundene Werke über die Prinzipien des Lichtes, über die Alchemie des Sauerstoffs und über die Wahrheit herausgegeben.

Böhme und die Niederlande haben einander immer viel zu sagen gehabt. Leider wissen wir nur sehr wenig über die Böhme-Freundeskreise, die sich hier im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert gebildet und von hier aus wieder nach Deutschland zurück und nach England und die Vereinigten Staaten verbreitet haben: idealistische Gemeinschaften ohne eigenen Besitz, ohne Bindung mit den offiziellen Kirchen, in freundlichen und einander unterstützenden Gesellschaftsverbänden, die versuchten, ein ursprüngliches, lebendiges Christentum zu verwirklichen. Ohne die Niederlande wäre keine einzige Schriftseite von Böhme bewahrt geblieben, und wir werden hierüber noch ausführlich sprechen. Wenn wir uns das siebzehnte Jahrhundert anschauen, dann sehen wir, dass 1682 in den Niederlanden die erste vollzählige Werkausgabe von Böhme in deutscher Sprache erschienen ist (also mehr als ein halbes Jahrhundert nach Böhmes Tod). Herausgegeben wurde sie von dem militanten protestantisch-pietistischen Deutschen Gichtel, der viele Jahre in den Niederlanden lebte.

Auch Frederik Voster, Buchverkäufer in Amsterdam zu dieser Zeit, hatte etwa 1686 die erste Übersetzung von "Aurora" herausgegeben. Übersetzer war niemand Geringerer als der berühmte Kupferstecher Jan Luyken. 1678 erscheint von ihm das Büchlein: "Jezus en de Ziel" ("Jesus und die Seele"). Es ist ein kleines Werk, aufgemacht in der bewährten und zu dieser Zeit beliebten Form einer Pilgerreise. Diese wird in drei Teilen erzählt. Im ersten Teil geht die Seele auf Reisen, und sie entledigt sich der totalen Gefangenschaft der natürlichen Gestalt, plastisch ausgedrückt als das Fleisch. Der zweite Teil handelt vom schauenden Leben und der dritte Teil über die Heimkunft in und zu Gott: "die Seele begehrt (...) sich selbst in den göttlichen Abgrund einzusenken wie ein Tropfen Wasser in den Wein."

Jeder Teil enthält eine Anzahl Embleme. Das sind Radierungen mit symbolischem Gehalt; und jedes Bild wird durch ein Gedicht erklärt, worin die Seele ihre Not oder Bedrängnis in Worte fasst. Ihre Not wird mit einer "göttlichen Antwort", die meist ein Zitat aus der Bibel ist, beantwortet. Danach folgt eine längere oder kürzere Betrachtung in Prosa; ein Stückchen Text. Die Poesie basiert oft auf Teilen aus "Von den drei Prinzipien" oder aus "Der Weg zu Christo", dem einzigen Büchlein, das während Böhmes Leben herausgegeben wurde. Die Prosa kommt in vielen Fällen aus Luykens eigener "Aurora"-Übersetzung - sieben Jahre, bevor diese in niederländischer Sprache publiziert wird -, während das Programm für das ganze Werk eine starke Übereinstimmung zeigt mit Dialog einer erleuchteten und einer unerleuchteten Seele. Luyken, so zeigt sich daraus, war absolut und bis ins Tiefste seines Wesens von Böhme ergriffen, und er ist ihm sein ganzes Leben treu geblieben.

Dass es jedoch gegenwärtig noch so etwas wie Böhme-Manuskripte gibt und dass sein Werk bewahrt blieb, ist gleichwohl nur einem Mann zu verdanken: dem gewissenhaften und ergebenen Abraham van Beyerland. In knapp neun Jahren, zwischen 1634 und 1642, publizierte er die niederländischen Übersetzungen des Gesamtwerks von Böhme.

Sehr geehrte Anwesende, hier stehen viele Namen auf einem A-Vier-Blatt. Hinter jedem Namen steckt eine Lebensgeschichte, hinter jedem Namen befindet sich eine Eindruck erweckende Beseelung, ein Berührtsein. Alle diese Personen waren auf eine bestimmte Art "in Brand" gesteckt, sie waren in Böhme "entzündet", wir sagen es noch einmal. Sein Geist von Freiheit, von Begreifen, von Genialität, von Inspiration und Erkenntnis der Tiefen Gottes entflammte in ihnen eine gleiche "Wiedergeburt" - der sie sich mit Leidenschaft und Beseelung weihten. Jeder von ihnen versuchte in den Umständen seiner Tage dieses neue Licht zustande zu bringen, weihte sich auf seine Art dem Wirksammachen dieses befreienden Lichtes im eigenen sozialen Status. Dies ist heute Nachmittag ein äußerst wichtiger Punkt, und wir wollen heute gerne aufzeigen, dass weder Böhme noch seine Geistverwandten in einer Ecke standen, abgewandt oder abgeschirmt von der Gesellschaft, worin sie lebten - sondern mitten im Leben.

Die niederländische Schlüsselfigur dieser ganzen Namenskolonne ist, wie gesagt, Abraham Willemszoon van Beyerland, einer der Ältesten der Waalse Kerk op de Oudezijds Voorburgwal, ein Handelsmann, der an der Amsterdamer Börse durch den Zibethandel (das ist ein moschusartiger Grundstoff für Parfüm) reich geworden war.
Vom ersten Moment an, als er eine Schrift von Böhme in Händen hielt, veränderte sich sein Leben. Fast unmittelbar beginnt er mit dem Übersetzen; er ruht nicht, bis er alle noch lebenden Freunde und Bekannten von Böhme aufgespürt hat und strebt danach, so viele Handschriften, Kopien und Originale wie möglich in seinen Besitz zu bekommen. Nicht aus Habsucht, sondern "weil seine niederländische Nation der Gnadengabe des Deutschen (weil sein eigenes Volk das bescheidene Werkzeug verachtet und mit Füßen tritt) teilhaftig werden soll". Van Beyerland hat die Kraft, die Böhmes nächsten Kreisen fehlt: Jakob Böhmes mächtiges Werk als ein Ganzes zu sehen und für die Nachwelt zu erschließen. Und wie kein anderer sieht er, dass die Zeiten in Deutschland unruhig sind, und dass da niemand ist, der die Sicht besitzt auf das, was von Böhmes Schriften ausgeht.

Bereits 1634 erschien eine erste Ausgabe mit einer Anzahl Fragmente aus verschiedenen Titeln: Handboecxken - zijnde een welrieckende Bloeme (Handbüchlein - eine wohlriechende Blume); und in knapp neun Jahren übersetzte van Beyerland das gesamte Werk; jedes Mal ein bestimmtes Buch unterbrechend, wenn er neues Material, das er wichtiger fand, hereinbekam. Aber wie ging das vor sich? Van Beyerland setzte alles auf eine Karte, um Originalmaterial von Böhme, d.h. Manuskripte, handgeschriebene Kopien und Autographe aus Schlesien in die Niederlande zu bekommen. Damit hat er eine absolute Schlüsselrolle gespielt, die uns ihm für immer verpflichtet. Er war es, der das Werk nach Amsterdam holte. Er war es, der es übersetzte, er war es, der es drucken und herausgeben ließ, und wenn man ein Buch kaufen wollte, musste man es bei ihm selber in der Warmoesstraat kaufen. Dann wurde man "gewogen" - und wenn es ihm nicht passte, oder wenn er einen verdächtigte, mit der schriftgelehrten Mauerkirche (das ist die Kirche, die zusammengehalten und gleichzeitig aufrechterhalten wird durch unerbittliche Regeln) gemeinsame Sache zu machen, dann musste man machen, dass man wegkam, denn dann "tobte er wie ein wilder Bär",- wie jemand, der das miterlebt hat, notierte.

Auf seinen Streifzügen war van Beyerland mit Hans Rothe, einem Advokaten aus Görlitz, in Kontakt gekommen, der eine Kiste mit Abschriften besaß. Diese Abschriften hatte Rothe von den Gebrüdern Karl und Michael Ender von Sercha übernommen, die alle Werke Böhmes hatten kopieren lassen. Hundert Reichstaler sollte das kosten, und das war in der damaligen Zeit noch ein stattlicher Betrag. Das hatte van Beyerland ausgegeben, um die Kiste mit Büchern, Briefen und Autographen (das sind Manuskripte) in seinen Besitz zu bekommen. Warum wollte er denn so gerne die Handschriften? Einen Grund haben wir bereits genannt: unruhige Zeiten in Schlesien und ganz Deutschland. Ein anderer Grund war, dass mit Sicherheit die eigenhändig geschriebenen Traktate des Mannes aus Görlitz, der vor ein paar Jahren gestorben war, der Gefahr ausgesetzt waren, konfisziert und sogar vernichtet zu werden. Denn während seines ganzen Lebens stand Böhme in seiner Heimat im Zentrum eines Sturms - und dieser Sturm hatte sich noch lange nicht gelegt. Überdies war es in Deutschland in vielen Fürstentümern unsicher zu dieser Zeit. Der dreißigjährige Krieg, ein Krieg, aufgepeitscht durch die Reformation, durch religiöse Gefühle auf beiden Seiten, wütete in aller Heftigkeit und stürzte die Grafschaften, Länder und Herzogtümer in große Schwierigkeiten. Auch die "Mauerkirche" ruhte nicht eher, bis sie das ganze protestantische Deutschland formell unter einen Nenner bringen konnte: die Augsburger Konvention.

Um in die Niederlande zu gelangen, ins stolze und freie Amsterdam, musste die Sendung durch das Gebiet der Preussen. Van Beyerland wollte sie zuerst sicher bei seinem Korrespondenten in Hamburg haben. Aber der kritischste Punkt war der Weg zwischen Leipzig und Hamburg, wo es dann auch schief ging. Eines Morgens erreichte van Beyerland die Unheilsnachricht des Absenders, dass "eine Rotte streiffender Reuterey" (eine Art Banditenpatrouille) den Transport "untersucht" hatte, und dass alle Handelsware, die auf den Karren geladen war, geraubt worden war. Van Beyerland hatte alles verloren. Sehr bedrückt suchte er an diesem Morgen die Börse auf. Als er am Nachmittag desselben Tages nach Hause kam, meldete ihm seine Ehefrau: "O ja, Abraham, es ist auch noch eine Kiste angekommen. Aber niemand war dabei, und es ist auch kein Bericht dabei."

Es war die Kiste der Brüder Ender von Sercha - auf rätselhafte Weise war sie gerettet! Und darin befanden sich beinahe alle Werke von Böhme. Auf wunderbare Weise - er hat niemals erfahren wie - waren die unvergleichlichen Manuskripte und Kopien von Böhmes opera omnia bewahrt geblieben und auch noch richtig bei ihm angekommen. "Versteh' es magisch!" so soll Böhme selbst gesagt haben, und das tat van Beyerland. Dass die Sendung gerettet war, sah er als einen Fingerzeig und ein "Exempel von Gottes Schutz" an: von ihm wurde erwartet, dass "er auch nach des Autors eigenen Handschriften trachten sollte". Das Resultat: Am Ende seines Lebens hatte van Beyerland 12 Originalhandschriften und die Hälfte von Böhmes eigenhändig geschriebenen Sendbriefen plus mehr als 100 Kopien.

II

Böhme ist eine Erscheinung am europäischen religiösen und intellektuellen Firmament, die heute weit genug von uns entfernt ist, um alt oder antik zu heißen, aber nahe genug ist, um noch direkt - ohne erklärende Worte von anderen - verstanden zu werden. Seine Sprache ist alt, sicherlich, aber wenn das Herz empfänglich ist, erhält es mit jedem seiner Worte einen Strom von Licht, einen Balsam von Trost und Begreifen und Freude für ein Gemüt, das durchdringt in die Bestehensgründe seiner selbst, des Seienden und des Unkennbaren, Gott selbst.

Boehme Aurora

Böhmes Philosophie ist schwierig, sagt man. Sicher, man muss sich mit einigen Begriffen vertraut machen, die damals gebräuchlicher waren als heute. Böhme wagt es, über Satan, über Luzifer, über eine Welt des Zorns zu sprechen, Welten und Worte, die uns nicht mehr ansprechen, nichts mehr sagen, vielleicht weil sie uns allzu vertraut geworden sind. Aber viel lieber schreibt und spricht Jakob Böhme über die Welt des Lichtes, über das Freudenreich, wie er es nennt, um aus der Freude des Sehens und Begreifens dieser Welt selber in Freude zu entflammen. Er kann nie zur vollen Befriedigung erklären, wie besonders Gott und die sieben Urgeister sind. Er spreche zu den Allereinfältigsten, so sagt er, weil er selbst auch einfältig sei und nur über Wissen verfüge, solange "der Geist bei ihm sei"; ohne das sei er ein hohles Fass. Das sind seine eigenen Worte.

Gott ist der unbekannte UNGRUND, so nennt er es. Aus Gott wird der Sohn geboren. Der Sohn ist eine Qualität von Licht und besteht aus sieben Urgeistern. Wie ist dies zu verstehen? Das erste Wunder ist bereits die Geburt des Sohnes. Vielleicht können wir Böhme besser selbst das Wort überlassen. In seiner "Aurora" vergleicht er die sieben Urgeister mit sieben Rädern:

"So ich Euch die Gottheit recht beschreiben will, so ist es damit bestellt wie mit einem Rad. Dieses besteht zum Bespiel aus sieben Rädern, wovon das eine in das andere gestellt ist.

Die sieben Räder nun sind die sieben Geister Gottes, die alle aus einander entstanden sind. Das eine hat eine andere Umdrehung als das andere. Sie sind ineinander gefügt wie eine runde Kugel. Man sieht alle sieben Räder, von jedem die Umdrehung und alles, was zu ihnen gehört. Und die sieben Räder sind wie eine Nabe, die in ihrer Umdrehung alle Seiten herausdreht; die Räder haben stets dieselben Naben, und aus den Naben entstehen stets die sieben Speichen. Kein Rad, Nabe oder Speiche geht verloren. Und das Rad dreht sich, wie der Wind es treibt. Und das ist das Herz, die eine Nabe, oder das innerste der Räder. Keins von ihnen geht verloren; sie drehen sich miteinander rund, wie der Wind es ihnen erlaubt. Dies bedeutet den Sohn Gottes, den Gott der Vater durch alle sieben Geister geboren werden lässt. Er ist der Sohn aller sieben Geister. Das Herz Gottes ist stets der Mittelpunkt, so wie die Nabe der Mittelpunkt des Rades ist.

So kann auch nur ein Herz Gottes sein und nicht sieben. Das eine Herz ist der Mittelpunkt und das Leben aller sieben Geister. Die Speichen nun, die den Halt bieten, bedeuten Gott den Heiligen Geist, der von Vater und Sohn ausgeht und die doch gleichzeitig in Ihm anwesend bleiben. Wie es nun viele Speichen gibt, die sich alle in der Mitte des Rades drehen, so ist der heilige Geist der Werkmeister Gottes und Er formt alles, was in Gott anwesend ist. Es ist nur ein einziger Gott mit sieben Urgeistern, ebenso wie nur ein Rad besteht, obwohl es sieben Räder sind, die jedoch eigentlich ein Ganzes bilden.

Das Rad in seinem Bau steht für die scharfe Eigenschaft, welche das körperliche Wesen der Gottheit zusammenhält und harmonisiert, so dass es bestehen kann. Und das süße Quellwasser entsteht durch das Aufsteigen der Geister. Wie das Licht in der Hitze zum Vorschein kommt, so erschrickt die scharfe Qualität vor großer Freude. Das harte Körperliche wird hierdurch sanftmütig. Dieser Schreck oder der Anblick des Lichtes nun steigt auf in die scharfe Qualität. Dieser Schreck oder Blitz steigt in alle Qualitäten auf, ebenso wie in das obengenannte Rad, das sich dreht. Das Licht scheint inmitten der sieben Urgeister, und sie freuen sich in dem Licht.

Und wenn die Geister voll Licht in einander wirken und aufsteigen, wird das Leben geboren, denn alle geben sie einander von ihren Eigenschaften. Der eine Geist fühlt und prüft den anderen, der eine zeigt sich in dem anderen, und der Klang steigt auf zum Herzen; dann öffnet sich das Freudenreich des Sohnes Gottes, und alle sieben Geister feiern und erfreuen sich im Herzen Gottes, ein jeglicher nach seiner eigenen Beschaffenheit. So wie ein saurer und grüner Apfel durch die Sonne wohlschmeckend gemacht wird, so dass es herrlich ist, ihn zu essen, und man prüft seine guten Qualitäten, genau so behält die Gottheit ihre Eigenschaften, aber es ist in der Gottheit ein stilles Wirken als liebliches Spiel. Wenn sich jedoch die Eigenschaften erheben würden, so würde wie in Luzifer das Feuer in ihnen angezündet werden. Dieses nun ist die wahrhaftige Geburt der Gottheit, die von Ewigkeit an so gewesen ist und allezeit so bleiben wird."

Das ist Böhme'sche Sprache. Er kann nicht genug davon bekommen, die wunderbare Geburt Gottes jedes Mal wieder zu erklären. Denn Gott wird ständig geboren! Und - was noch wichtiger ist - so wird Gott gleichfalls im Menschen, im Herzen, in dem siebenfältig drehenden Rad oder der Kugel des Mikrokosmos, wohlverstanden, auch aufs neue geboren! So wie Jan van Rijckenborgh in seiner umfangreichen Literatur immer wieder die Mysterien der Rose erklärt, stets aus einer anderen Sicht, so legt Böhme jedes Mal wieder die wunderbare Geburt Gottes dar. Und jedes Mal wird er wieder mitgezogen in die Freude dieser Geburt in der Herrlichkeit, die er "süß", "lieblich" oder "zart" nennt.

Spricht Böhme nun über eine Welt oder über zwei oder drei? Böhme erklärt uns, dass es "ein Alles und ein Nichts" gibt, wie auch ein nicht offenbarter, unkennbarer Nicht-Grund, Ungrund, existiert. Daraus entsteht eine siebenfältige Schöpfung. Das ist bereits das erste Wunder. Die Schöpfung ist der Sohn. Und in diesem Sohn entstehen die sieben Urgeister, wie oben bereits beschrieben. Sie sind aufs neue der Sohn, und sie kreieren aufs neue das Bewusstsein des Sohnes. "Verstehe es magisch!", würde Böhme sagen. Die Schöpfung, schöpfen muss man verstehen als zusammenziehen oder zusammentreiben. Bewusstsein entsteht dadurch, dass die sieben Geister auf einander einwirken und in einander Erkenntnis (Wiedererkennen), Freude, Licht, Leben, Geschmack und Geruch, Klang und Form hervorbringen. Und das All ist Liebe, das Urprinzip, die Nabe, das Herz Gottes.

Der Sohn ist Luzifer, der Sohn ist Christus. Luzifer und Christus sind die "Erstlinge des Geistes". Luzifer ist der Sohn. Böhme über Luzifer: "Als nun der König auf solche Weise verkörpert war, so ist unmittelbar, im gleichen Augenblick, die Geburt der heiligen Dreifaltigkeit Gottes zum Vorschein gekommen. In ihm. Dies ist geschehen in Freiheit, so wie Eisen doch Eisen bleibt, wenn das Feuer das Eisen durchglüht, oder, so wie das Licht die Dunkelheit erfüllt und dadurch freudevoll wird. Denn in diesem Zusammenfügen zu einem Körper ist die Geburt mit großem Triumph Wirklichkeit geworden, und alle Urgeister haben sich freudevoll und triumphierend gezeigt. Und in demselben Augenblick ist das Licht aus den sieben Geistern im Herzen aufgegangen als ein neugeborener Sohn Gottes, welcher auch zur Stunde den Körper aller sieben Urgeister aus dem Mittelpunkt des Herzens verherrlicht hat, und das Licht des Gottessohnes hat auch alles mit einem überirdischen Glanz umstrahlt."

Und er beschließt: "Da steht nun die schöne Braut. Was soll ich über sie schreiben? Ist sie nicht ein Fürst Gottes gewesen? Und wohl der allerschönste?"
Dann erklärt Böhme, wie man den Fall verstehen muss. "Als in Ihm also das Licht entzündet war, erfreuten sich die sieben Urgeister über die Maßen, mehr als ihnen zukam, und wollten mächtiger und größer sein als Gott selber. Dadurch wurden die Urgeister zu feurig; die scharfe Qualität (die Formseite) ließ das süße Wasser vertrocknen. Und die gewaltige und große Hitze, die in dem süßen Wasser entstanden war und wodurch das Bittere in dem Süßen zuwege gebracht worden, kämpfte mit der scharfen Eigenschaft, als wollte die Hitze sie aus großer Freude auseinander sprengen. Denn das Licht war so grell, dass es den Urgeistern unverträglich war. Während nun das süße Wasser durch Zusammenziehung vertrocknet war, so blieb nur eine kleine Flamme (!) übrig. All das süße Leben wurde aufgesaugt. Nicht so, dass der Geist des (lebendigen) Wassers aufgesogen wurde (welcher in allen sieben Urgeistern wohnt), sondern er wurde in eine dunkle, hitzige, saure Eigenschaft verändert.

Hier ist die saure Eigenschaft geboren, die auch jetzt auf dieser Erde anwesend ist. Im Himmel, in Gott, ist sie auf diese Weise nicht anwesend und auch nicht in den Engeln. Sie verursacht Traurigkeit und Elend und Versäumnis des Guten. Hierdurch reagierten auch die Urgeister auf einander wie hier oben angegeben. Nun jedoch entstanden kein Leben und Liebe, sondern nichts als Eitelkeit, feuriges Verderben und Kälte, somit, als sie in einander aufstiegen, wurde der ganze Körper böse, und führten eitle Hitze und bitteren kalten Streit. Dadurch entstand das erste Gift, welches wir armen Menschen nun zu verarbeiten haben, und dadurch ist der bittere, giftige Tod in unser Fleisch gekommen."

Böhme sagt einfühlsam: "Inmitten dieses Wühlens und Wirkens wurde nun das Leben in Luzifer geboren, das heißt, sein Sohn, in seinem Herzen. Was dies für ein Leben und für ein Sohn gewesen sein muss, gebe ich dem Leser zu bedenken. Welch ein Gast er vor Gott und den heiligen Engeln gewesen sein wird und vor den anderen Königreichen, gebe ich Euch zu bedenken. Er hätte eins sein müssen mit Gott und Seinem Sohn, als ein Herz und ein Gott - ach, wie traurig, hierüber zu schreiben."

Darin ist nun zum erstenmal das Prinzip der zwei Naturordnungen angelegt. Und im Menschen wirken beide Welten. In einer Zeitlichkeit, einem zeitlichen Beisammensein, wirken und rasen beide aufeinander ein. Welcher Geist wird daraus hervorgehen? Welches Prinzip wird angewandt? Und zu welchem Ergebnis wird es führen? In Böhmes visionärem Blick ist das kosmische Drama fertig, aber zugleich auch das Wunder des Menschen. Böhme versucht es so einfach wie möglich darzustellen. Aber die Tatsache bleibt bestehen: dass aus dem Nichts, dem Ungrund etwas besteht, das ist ein Mysterium. Das kann nicht verstanden werden, und selbst Böhme mit seiner wirklich fabelhaft schreibenden Gänsefeder kann das Mysterium nicht erklären. Das sagt er an vielen Stellen. Er sagt: Wir können nur in diesem Mysterium stehen. Wir können seiner teilhaftig werden, ein Teil davon sein, indem wir willens sind, darin zu versinken! Und die Tatsache nun, dass das allererste Mysterium nicht verstanden werden kann, selbst nicht von etwas, das aus diesem Mysterium kommt, das ist der Kernpunkt des Falls von Luzifer.

Luzifer, so sagt Böhme, war die erhabenste göttliche Schöpfung, die aus dem Nicht-Seienden hervorkam. Er konnte es jedoch nicht hinnehmen, dass er das erste Mysterium nicht verstand - und nicht war. Darum stachelte er all die sieben Geister, die in ihm waren, auf, und sie entbrannten zu einem heftigen Feuer, zu einer enormen Hitze, aber einer Hitze, die nicht durch Liebe, den fünften Geist, gelöscht wurde, sondern heißer und heißer wurde durch das Unvermögen, Gott selbst zu sein, um so auch außerhalb von sich selbst, in Gottes Räumen, regieren zu können wie Gott. Das ergab die Anfangsexplosion, wodurch die stoffliche Welt, die Welt des Zorns, worin Gott selbst nicht sein kann, zum Vorschein kam. Hätte Luzifer das Mysterium als solches angenommen, er wäre Gottes geliebteste und allerschönste Schöpfung, Welt gewesen. Aber durch die Hoffart - es sind Böhmes Worte - ist er aus Gott herausgegangen. Und in dieser Hitze, in diesem Zorn, brennen wir Menschen. Aber wir können von der Hoffart Abschied nehmen. Wir können der Eitelkeit Lebewohl sagen. Wir können in die andere Schöpfung Gottes, die Neue Geburt, wohl eingehen! Das ist die dritte Schöpfung, die dritte Welt.

In welchem Wunder stehen wir doch! In uns kann auf magische Weise aufs neue die gott-menschliche Wesenheit geboren werden, aus den sieben Geistern, aus dem siebenfältigen latenten Feuerprinzip, das mit dem menschlichen Herzen korrespondiert. Vielleicht ist es gut, bevor wir weitermachen die sieben Geister näher zu erklären. Denn Böhme vergleicht sie auch mit den sieben Geschmäckern. Er erklärt, wie die Eigenschaften vor Freude "erschrecken", wenn sie einander kennen lernen, erfahren, prüfen und dergleichen, und überall und stets fühlt man, liest man, erfährt man, dass sein Herz tatsächlich überläuft vor Freude, dass er darüber sprechen kann.

Böhme sagt unter anderem: "Als erstes ist das Licht so wie das Sonnenlicht, aber nicht so schlecht für unsere Augen zu vertragen, sondern sehr lieblich und genussreich, wie der Anblick der Liebe."

"Die Luft ist auch nicht auf die gleiche Weise in Gott anwesend, sondern sie ist ein liebliches sanftes Sausen und Aufsteigen; das heißt: der Ursprung der Kräfte ist der Ursprung der Luft, in welcher der Heilige Geist aufsteigt."

"Das Wasser ist auch nicht auf eine derartige Weise in Gott anwesend, sondern es ist der Quell der Kräfte, allerdings nicht auf irdische Weise. Wenn ich es mit irgendetwas vergleichen will, so würde ich es mit dem Saft eines Apfels vergleichen, aber sehr licht, so wie der Himmel ist. Luzifer hat es so weitgehend verdorben, dass es in der Welt wütet und arbeitet, läuft und schnellt und fließt, dass es dunkel und dick ist, und es kommt noch hinzu, dass es, wenn es nicht schnell fließt, unangenehm zu riechen beginnt.

Die Wärme oder Hitze ist in Gott ein liebliches, sanftes Erwärmen, ausgehend vom Licht und sich daraus erhebend; die Kälte ist in Gott anwesend als das Abkühlen der Hitze, eine Abmilderung des Geistes, ein Aufsteigen des Geistes. Verstehe diese hohen Dinge doch recht: Wenn der Vater das Wort spricht - das heißt: seinen Sohn gebiert, was immer und ewig geschieht -, so findet das Wort zu allererst seinen Ursprung in der scharfen Eigenschaft, dann wird es durch die süße Eigenschaft gemildert, durch die bittere angeregt und in Bewegung gebracht, und durch die Hitze steigt es auf und entzündet die mittlere süße Qualität. Nun brennt es in allen Eigenschaften durch das Feuer, das entzündet ist, und dieses Feuer brennt auch wiederum in allen Eigenschaften, und dieses Feuer ist wie ein großes Feuer und nicht wie viele Feuer.

Die fünfte Eigenschaft oder der fünfte Geist der sieben Geister Gottes in der göttlichen Kraft des Vaters ist der liebliche, freundliche und freudevolle Geist der Liebe.
Passt nun auf, was der Urquell dieser Liebe Gottes ist. Es ist der Kern von allem. Wenn die Hitze in der Süßigkeit aufsteigt und ihren Quell anzündet, so brennt das Feuer inmitten der Süße, und dieweil die Süßigkeit ein liebliches und schönes Quellwasser ist, so mäßigt es die Hitze und löscht das Feuer aus, und es bleibt nur das freudevolle Licht in dem süßen Quell übrig, und die Hitze ist nur noch eine sanfte Wärme.

Wenn nun das Licht, das in der Mitte der vier Geister ist, in ihnen scheint, so steigen die Kräfte dieser vier Geister auf in dieses Licht und werden lebendig, und sie haben das Licht lieb, das heißt, sie lassen es auf sich einwirken und werden schwanger vom Licht, und dieser selbe Geist, der sie alle umfasst, ist die Liebe des Lebens, dies ist der fünfte Geist. Wenn sie diese Liebe in sich fühlen, so sind sie imstande zu größeren Freuden, denn der eine sieht den anderen in dem Licht, und der eine macht den anderen wirksam; dann entsteht der Ton oder Klang. Dies ist der sechste Geist.
Nun ist der sechste Urgeist in der göttlichen Kraft der Schall oder Ton, durch welchen alles klingt und Geräusche von sich gibt, wodurch die Sprache und der Unterschied zwischen den verschiedenen Dingen entsteht; auch entstehen durch den Klang und den Gesang der heiligen Engel alle Farben; die Schönheit und das himmlische Freudenreich entstehen auch hieraus.

Die siebente Kraft ist die körperliche, die stoffliche Form, die aus den anderen sechs Geistern geboren wird und worin alle Himmelserscheinungen zum Vorschein kommen; die Form, in welche alles gegossen wird und in welcher alle Schönheit und Freude aufgeht. Diese hat die Eigenschaften aller Geister, und dies ist der siebente Geist Gottes in göttlicher Kraft."

Und schauen wir nun in uns selbst. Auch wir als irdische Erscheinung, sind eine Schöpfung im Werden. Aber wir sind nicht komplett. Stellen Sie sich vor: vier Geister sind in uns wirksam.

Die erste Kraft, die Böhme nennt, ist die des Sauren und Scharfen. Diese erzeugt Härte und Kälte: unsere Glieder, den stofflichen Körper.

Die zweite Eigenschaft ist die Süßigkeit. Es ist die Wärme, die Sanftheit, die Abmilderung: sie bringt Leben in das Stoffliche.

Die dritte Kraft ist das Bittere. Es ist der Geist, der beweglich macht, der unsere sinnliche Wahrnehmung bestimmt und uns fühlen und begehren lässt.

Die vierte Eigenschaft oder Kraft ist die Hitze, der Entflammer des Lebens, wodurch der Geist im Körper wirksam wird, das natürliche Bewusstsein.

So können wir Böhmes Erklärung unseres augenblicklichen Seinszustandes begreifen. Worum es nun geht, ist: Kann als fünfte Eigenschaft der Geist des lieblichen, himmlischen süßen Lebens des Christus in uns geboren werden? Als die Liebe? Oder entzünden wir uns selbst in Luzifer, das ist: im eigenen, dem Selbstbezogenen, dem Abgetrennten? Das ist die Frage, vor welcher jeder Mensch, der heute lebt, steht - und die niemand anders als er selber - durch seinen Willen - beantworten kann.

Ist die Antwort ein positives "Ja", dann wird in einer mächtigen Klangvibration der sechste Geist aktiv, der schließlich die Wiedergeburt als eine neue Schöpfung, als eine neue Natur, entfalten wird. Und das ist die dritte Welt, der gott-menschliche Zustand, das Bewusstsein und das Fahrzeug des Freudenreiches.

III

Lassen Sie uns, nun wir einigermaßen gehört haben, wie Böhme schreibt, einmal nach Böhmes Umgebung schauen. In dem Jahrhundert vor Böhme waren im Herzogtum Liegnitz besondere patriarchale apostolische Gemeinschaften aufgetreten, die sehr gläubig waren und eine neue Art von Christentum suchten. Später wurden sie durch die offizielle Reformation verboten. Kaspar von Schwenckfeld, der eine Art Angstgegner für Luther wurde, kam aus diesem Umfeld. In der Neißestraße, wo auch Böhmes Haus stand, wohnte wiederum ein persönlicher Freund von Kaspar von Schwenckfeld. Öffentliche Zusammenkünfte jener Gemeinschaft fanden in diesem Hause statt, einige Türen von Böhme entfernt. Zu der Gruppe Schwenckfeldianer gehörten zum Beispiel der Görlitzer Bürgermeister Bartholomäus Scultetius, aber auch der Hauptpfarrer der Peterskirche, Martin Moller. Andere bekannte Persönlichkeiten waren zum Beispiel auch Karl Ender mit seinen Söhnen Michael und Johann - die später Böhmes Aurora kopieren und verbreiten sollten.

Pfarrer Martin Moller war 1602 Betroffener in einem Prozess gegen die Lehrer des Görlitzer Gymnasiums und die Geistlichen der Stadt. Sie sollten, so lautete die Beschuldigung, Kryptocalvinisten sein, verborgene Anhänger der Lehre von Calvin, Zwingli und von Weigel. Wenn man tolerant war, wurde man zur Ordnung gerufen. Man musste sich der Staatskirche anpassen, die sehr stark war und eine wahre Zwangsjacke auf die Schultern der Städte legte. Wenn man ein lebendiges, innerliches Christentum führen wollte, ging das nicht, oder man musste sich außerhalb der Mauern der offiziellen Kirche wagen - was gleichbedeutend war mit ausgestoßen sein. Der freundliche und sanftmütige Moller, der auch Böhmes Prediger war, galt in dem Prozess als Hauptverdächtiger. Davon kam sicherlich der Abscheu Böhmes vor der "Mauerkirche". Eine wichtige Rolle bei den Anklägern spielte damals bereits Gregor Richter, dem wir später noch begegnen werden.

Bartholomäus Scultetius, Bürgermeister von Görlitz, war gleichwohl ein Verfechter der Gewissensfreiheit und nahm im Hinblick auf Religion einen toleranten Standpunkt ein. Mit demselben freien Geist behaftet, verteidigte er Moller durch dick und dünn, so dass dieser bis zu seinem Tod 1606 Pastor Primarius bleiben konnte. Danach gab es für die Stadt jedoch kein Entkommen mehr: politisch und ökonomisch gesehen gab es für den Stadtrat keinen anderen Weg als sich für das offizielle lutherische Bekenntnis, die Augsburger Konfession, zu entscheiden. Die Alternative - in äußerster Konsequenz eine Art Münster der Wiedertäufer - würde politischem Selbstmord gleichen. Darum wurde als neuer Prediger - zähneknirschend - Gregor Richter gewählt, der eine solch schwerwiegende Rolle im Drama Böhme spielen sollte. Lassen Sie uns heute hier die Situation klar vor Augen sehen - denn sie ist oft komplexer als man denkt. Versuchen wir uns an Richters Stelle zu versetzen, dann sehen wir, dass auf Richter, der bereits eine Rolle im Prozess gegen Moller gespielt hatte, eine undurchführbare Aufgabe wartete. Er wusste, dass er niemals auf den Rat rechnen können würde, er wusste, dass die Görlitzer einen selbstbewussten aufkommenden Bürgerstand repräsentierten, und gleichzeitig musste er gegen einen Landadel ankämpfen, der nun einmal fanatische Kirchenmänner nicht leiden konnte, die ihm das Gesetz vorschreiben wollten. Das beschwor - auch im Hinblick auf Richters Charakter - einen Konflikt herauf.

Der Stein des Anstoßes, sieben Jahre nach seiner Anstellung, war jedoch nicht Schwenckfeld oder die Paracelsisten, die sich in großer Anzahl im Herzogtum befanden, und auch nicht Kepler mit seinen neumodischen Ideen über den Lauf der Planeten, der eine Zeitlang in Görlitz verweilte. Der Stein des Anstoßes kam nicht von einem Gelehrten oder einem Adeligen, sondern von einem Schuhmacher, der überdies auch schon einmal für das Übertreten der Stadt- und Gildenmonopole auf den Handel in Garnen verurteilt worden war. Für Richter war der Stein des Anstoßes Böhmes "Aurora". Für den Gemeinderat von Görlitz war der Stein des Anstoßes: Richter. Der Prediger Richter war der Sohn eines Schmiedes, und bevor er einen Ruf zu seinem Amt gefühlt hatte, war er gleichfalls zum Schmied erzogen worden. Von daher kann man sagen, dass Böhmes Typisierung von ihm als "Treibhammer, der das Werk antreiben muss" nicht ohne Humor ist. Richter hatte sich als Kirchentyrann, durch seine ellenlangen Predigten und seine Moralpredigerei ordentlich unter den Bürgern verhasst zu machen gewusst. In den Aufzeichnungen des Görlitzer Bürgermeisters lesen wir zum Beispiel, dass Richter weniger lange Predigten halten musste und nicht mehr so donnern durfte, weil das den Bürgern gegen den Strich ging.

Was Richter an Böhmes "Aurora" so maßlos ärgerte, war das vollkommene Negieren von Luthers Gebot, dass allein die Schrift mit Gott in Zusammenhang gebracht werden dürfe. Er klagte ihn beim Gemeinderat an - nachdem er überdies noch einen Kollegen gezwungen hatte, eine Klage einzureichen, denn anders war sein Ersuchen nicht rechtsgültig. So saß Scultetius an diesem 26. Juli 1613 doch wohl ein wenig mit Magenschmerzen da. Der Bürgermeister kannte Böhme gut und sympathisierte eher mit ihm als mit Richter. Er saß nun wirklich zwischen zwei Stühlen. Die Klage zu negieren war unmöglich, denn wenn Richter sich an die Landesregierung wenden würde, wäre politisch das Maß voll. Deshalb tat Scultetius das Weiseste und Verständigste, was er nur tun konnte: er ließ Böhme zu sich kommen, führte ein Gespräch mit ihm, worin er sagte, dass Böhme vorsichtig sein müsse, ließ ihn fünf Minuten festsetzen und schickte einige Männer zu seinem Haus, um das Manuskript von "Aurora" zu beschlagnahmen. Zu einer Verhandlung ist es nicht gekommen, aber sie trafen eine Absprache: Böhme sollte nicht mehr schreiben, und er würde Richter ermahnen, nicht mehr in der Peterskirche auf Böhme zu schimpfen. Dann ließ er Böhme gehen. Böhme hat seine "Morgenröte" nie mehr wiedergesehen. Erst 1641 kam die Handschrift wieder frei, und am 26. November 1641 gelangte sie über Heinrich Prunius in die verlässlichen Hände van Beyerlands.

Bei der zweiten Klage Richters anlässlich des Erscheinens von "Der Weg zu Christo" wurde Böhme aber zu einem Verhör durch den Stadtrat gerufen. Das war eine Konfrontation, wovor Böhme absolut keine Angst hatte. Am Tag davor schreibt er an Karl Ender: "Angesichts dessen, dass er (Richter) so furchtbar heftig tobt, ist der Gemeinderat verstimmt, und haben die Herren beschlossen, dass ich morgen vor den Rat kommen muss, um über alles Rechenschaft abzulegen. Da beabsichtige ich, die Wahrheit bis auf die Knochen zu erzählen, ohne Ansehen der Person, und sollte es mein Leben kosten...Denn die Zeit der Reformation ist gekommen."

Auch hier wurde Böhme zur Vorsicht gemahnt. Zur Abrechnung, auf welche Böhme hoffte, kam es nicht: der Rat fragte lediglich, wer das Büchlein geschrieben habe und wer es habe drucken lassen. Und auch hier wieder ließ man aus politischen Gründen so wenig wie möglich nach draußen dringen. Aber Richter war damit nicht zufrieden. Zum zweitenmal fühlte er sich in seinem Hass frustriert. Der handfeste Skandal, auf den er gehofft hatte, war ausgeblieben, und anstelle einer schweren Verurteilung konnte Böhme einfach gehen. Nun zeigte Richter seine wahre Art: als echter Volksverhetzer peitschte er die Emotionen auf, ließ den Pöbel Böhme aus der Stadt jagen und die Fenster seines Hauses an der Neisse-Brücke einwerfen. Einen Tag später wurde Böhme aber durch den Magistrat wieder zurückgeholt.

Lassen wir unser Licht einmal auf eine weitere hartnäckige Mythe fallen: Böhmes soziale Stellung. Böhme war kein Klausner, der bei Kerzenlicht hinter seinem Leisten saß und schrieb. Böhme war ein aktiver, unternehmender Geschäftsmann, der seine Verantwortung in der Gemeinschaft voll auf sich nahm, ein bescheidener Geschäftsmann zwar, aber er hatte das Schuhmacherhandwerk gelernt und war ein anerkannter Fachmann. Am 24. April 1599 kaufte er eine der vierundvierzig Schuhmacherwerkstätten, die es in Görlitz gab, und begann mit seinem Geschäft. Er kaufte ein. Seine Frau war bereits im Garnhandel beschäftigt. Im August dieses Jahres kaufte er sein erstes Wohnhaus in Görlitz. Er war besser bei Kasse als die meisten Schuhmachermeister. Bei Gelegenheit trat er als Wortführer der Gilde auf oder kaufte für die Gilde bei drohender Verknappung große Partien Leder ein.
Als er etwa 1608 sein mütterliches Erbteil bekommt, setzt man ihn auf die Liste der (obwohl bescheiden) Vermögenden der Stadt.

1613 verkauft er sein Schuhgeschäft für mehr als das Doppelte von dem, was er dafür bezahlt hat. Jakob Böhme will frei sein von den strengen Regeln, die von der Schuhmachergilde und der Stadt aufgestellt sind. Er will reisen, er will handeln können, und das glückt ihm. Er verkauft sein erstes Haus und kauft ein zweites, wovon er die Hälfte vermietet. Er bekommt vier Söhne und sorgt gut für sie; sie erhalten alle eine Fachausbildung. Zwei davon sterben vor Böhme; wie man sagt, war einer von ihnen mit der Tochter von Richter, seinem größten Feind, verheiratet. Auf seinen Reisen kauft er die Produkte ein, die auf den stillen Gehöften und Landgütern in der weiteren Umgebung verfertigt werden und verkauft sie in der Stadt, wo ein großer Bedarf an diesen Gütern besteht. Und er will seine Hände frei haben, um sein "Talent zu üben", das heißt, sein Talent zu entwickeln: das ist seine philosophische Arbeit. Denn auf seinen Reisen kann er seine vielen Freunde und Geistverwandten treffen und über das sprechen, was ihn am meisten beschäftigt: die kommende allgemeine oder Generalreformation.

Damit kommen wir zu einem ganz anderen Umfeld, das Einfluss auf Böhme ausgeübt hat. Denn die allgemeine Reformation war in den Jahren 1615-1620 das typische Terrain der Rosenkreuzer, deren Ruf sicherlich bis nach Dresden und Görlitz durchgedrungen war. Es ist absolut sicher, schreiben Forscher, dass Böhme sie kannte und ihre Schriften gelesen hatte. Und er wird mit Freude festgestellt haben, dass er in ihnen Geistverwandte aus einer ganz anderen Ecke Deutschlands antraf, Menschen, die den absolut gleichen Nährboden wie er hatten. Lassen Sie mich noch einige Dinge nennen, die in diesem Boden angetroffen werden können: die Alchemie von Paracelsus, die "Universelle Studie" von Weigel, die "Vier Bücher vom wahren Christentum" von Arndt und letztendlich Hermes, der Quell und das "wahre, innerliche, reine" Christentum von Demut, Umkehr, ernsthaftem Leben, Studium und Wiedergeburt. Das war die große Reformation, auf die Böhme wartete. Vor allem am Ende seines Lebens spricht er in seinen "Sendbriefen" oft über diese kommende Reformation, an die er fest glaubt.

So entsteht vor unseren Augen eine ganz andere Persönlichkeit als nur der Philosoph mit seinem unvergleichlichen Tiefgang. Und das ist wichtig, weil es uns erkennen lässt, dass es nicht um eine erhabene, von oben herab erteilte Lehre geht, sondern um etwas, das aus der Zeit geboren ist und auch vollkommen im Verhältnis zu der Zeit und den Umständen steht, aus welchen es stammt. Jakob Böhme ist eine Persönlichkeit, die auf dem Kreuzungspunkt vier belangreicher gesellschaftlicher Ströme steht, zwischen altem Adel und neuen Reichen, zwischen den Stadtregeln und freier Unternehmerschaft, zwischen kirchlichen Regeln und freiem religiösem Erleben. Wir legen Wert darauf, es nochmals zu sagen: gesellschaftlich gesehen ist Böhme kein erfolgloser Schuhmacher, der obendrein mit der Geistlichkeit und der Obrigkeit Krach bekommt. Im Gegenteil, er ist ein gewissenhafter Unternehmer, der Kredite aufnimmt und zurückbezahlt und Gewinne erwirtschaftet und davon leben kann. Aber vor allem ist Böhme das Genie, das in Gottes Tiefen zu schauen vermag und das Talent hat, in seinen Werken davon zu berichten. "Aurora" ist sein erstes Werk, für ihn selber aufgeschrieben, wie er selbst sagt, vollkommen aus der Inspiration und dem Geist geschrieben, jedoch nicht nur für ihn selbst: auch um seinen Freunden immer besser deutlich machen zu können, worum es bei der Wiedergeburt geht.

Es ist dieses Genie, das von den Menschen seiner Umgebung wahrgenommen wird. In der besonders fruchtbaren Periode von 1618 bis 1624 gibt es Momente, da seine Freunde beinahe buchstäblich um ihn herumsitzen; und sobald er wieder zwei oder drei Seiten fertig hat, nehmen sie sie ihm ab und kopieren sie. Obwohl sie noch lange nicht immer mit ihm einig sind, verstehen sie sehr gut die Tragweite und das absolut Neue von dem was Böhme schreibt. Denn Böhme ist äußerst modern. Er entwickelt eine neue Sprache, eine neue Philosophie, eine neue Art, Abstraktes zu schildern, das vor ihm noch niemals so in Worte gefasst worden war. Seine Freunde Franckenberg, Kober und die Brüder Ender sehen das hell und klar. Niemand vor ihm hat auf diese Weise über die Schöpfung und die neue Schöpfung in Christus geschrieben - die überdies so überdeutlich auch in Böhme selbst stattgefunden hat.

In diesem Zusammenhang passt es auch gut, noch eine andere Mythe zu zerstören. Es ist merkwürdig, wie Böhmes Erlebnisse mit denen der ersten Rosenkreuzerbrüder - tausend Kilometer südlicher in Deutschland - parallel laufen. Das ist ein Beweis für den mächtigen Impuls, der damals in Menschen durchbrach, die das wahre Christentum der innerlichen Wiedergeburt freimachen und jedem empfänglichen Sucher zeigen wollten. Obwohl am Anfang von Böhmes Gesamtwerk "Aurora" steht, das er für sich selber aufschrieb als ein "Memorial", und dieses nur mit äußerster Vorsicht und auf bescheidene Weise kopiert und herumgeschickt wurde (ganz wie in den gleichen Jahren die Rosenkreuzer-Manifeste!), ist Böhme sich der Wirkung seines Werkes selber sehr bewusst, und er folgt darin genau einer geplanten Arbeitsweise. Ab 1618 kann ihn niemand mehr aufhalten. Er organisiert selbst das Kopieren, er versucht es einzudämmen. Er schreibt Instruktionen: gebt mein Werk nicht jedem, sondern nur den Menschen, von denen zu erwarten ist, dass sie es begreifen können. Wenn Fragen aufkamen, verwies er die Menschen an seine nächsten Freunde, um selber weiterarbeiten zu können. Es boten sich Kopisten an und sogar Menschen, die sein Werk drucken wollten, aber dies hat er sich lange Zeit vom Leibe gehalten; seiner Meinung nach war die Zeit dafür noch nicht gekommen.

Er erlaubte nur, das Büchlein "Der Weg zu Christo" - das ausschließlich von der Praxis der Wiedergeburt handelt - zu drucken, und wir lesen im 46. Sendbrief vom 27. Dezember 1623: "Mein Büchlein von der Buße und der Wahren Gelassenheit wird binnen einiger Tage aus dem Druck kommen." Das kleine Werk erschien in der Tat im Januar 1624, aber fast direkt wurde die gesamte Auflage beschlagnahmt. Von den paar Exemplaren, die Böhme Freunden übergeben hatte, sind genau zwei übrig geblieben. Wir haben das Vorrecht, eines davon hier auf Renova auszustellen.

So sehen wir, dass Böhme in Bezug auf die neue Zeit, die "Zeit der Lilien", wie er es nennt, am allerwenigsten eine abwartende Haltung einnimmt. Im Gegenteil: er arbeitet mit Menschen, Freunden aus allerlei Glaubensgemeinschaften und Konfessionen, wenn es nur "frei" ist. Er organisiert Zusammenkünfte, er bildet eine Art inneren Kreis um sich, den er weiter führen will. Er ist kein weltfremder Mystiker, sondern initiiert und organisiert ein befreiendes Werk. Viele seiner Werke sind auch ein Niederschlag von Diskussionen mit Freunden und Interessenten, worin er versucht, seine Gesichtspunkte zu verdeutlichen. Aber schließlich hört er auf damit. Am Ende seines Lebens ist er noch verinnerlichter und schreibt nur noch für die "sittsame Seele". Er will, so sagt er, noch einmal ein Buch wie "Morgenröte" schreiben, aber dann noch deutlicher, und dann alle seine anderen Werke verbrennen. Es ist Gott sei Dank nie dazu gekommen. Sein letztes Büchlein ist ein "Gebetbuch für die sieben Tage der Woche", und im letzten Herbst seines Lebens, im Oktober 1624, begann er noch mit einer neuen Arbeit: "Betrachtung über die göttliche Offenbarung". Darin hofft er 177 theosophische Fragen einer hungrigen Seele zu beantworten, wovon er aber nur noch 15 erledigen konnte.

Niemand verstand besser, was Böhme meinte, als Abraham Willemszoon van Beyerland. Denn es ist kein Ding der Vernunft, von rein dem Verstand, sagt Böhme. Der Verstand steht im Zorn, in der Ichbezogenheit. Worum es geht, sagt er, ist der Wille, in ihr die "Selbstsucht" täglich sterben zu lassen und das Verlangen in Gott einzuführen (so nennt er es), und wie aus diesem Sterben ein neues Gemüt und ein neuer Wille in Gott inkorporieren (aufblühen) wird. Es wird im Zorn geboren werden müssen, aber der Zorn wird es nicht begreifen und das Selbst es nicht sehen. Genau wie es im Johannes-Evangelium steht: "Das Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen." Hierbei geht es um eine Lebenshaltung, um eine neue Art, zu leben. Wollen Sie das, dann sind Sie ein Böhme-Freund. Und dann ist Böhme auch nicht mehr schwierig; denn dann findet auch in Ihrem Bewusstsein eine neue Geburt statt, aus den sieben Geistern. Darum schreibt van Beyerland in der "Vorrede" seiner Übersetzung von "Das dreifältige Leben": "Der Leser sei gewarnt (beim Lesen dieses Buches), das Büchlein von der Buße und der Wahren Gelassenheit in die Praxis zu stellen/ um dieselbige nicht allein zu lesen und zu verstehen/ sondern um dem Autor in seinem Prozess nachzufolgen/ welches sich in selbigem klar zeiget: doch es wird der ernsthaften Seele (beim Lesen dieser Schriften) gehen wie einem, der ein schweres rostiges Eisen blank machen will/ zuerst ist wenig Hoffnung/ aber in der Standhaftigkeit liegt die Überwindung: der ernsthafte Wille und das eifrige Verlangen vermag viel, um zur Gnade und zu hohen Kenntnissen zu kommen/ gleichwie solches ohne Zweifel die einzige hohe Schule und Studium der Väter/ der Propheten und der Apostel Christi gewesen ist."

Sehr geehrte Anwesende, besser können wir es wahrlich nicht sagen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Vortrag: P. F. W. Huijs

Übersetzung ins Deutsche: Ursula Klee

Literaturhinweise:
Ernst-Heinz Lemper. Jakob Böhme Leben und Werk. Union Verlag Berlin, 1976, I. Auflage
F. van Lamoen. Abraham Willemsz. Van Beyerland. Jacob Böhme en het Nederlands hermetisme in de 17e eeuw. Katalog einer Ausstellung in der Bibliotheca Philosophica hermetica 1986
F.A. Janssen. Böhmes Wercken (1682): ist editor, ist publisher, ist printer. Quaerendo Vol. 16/2 1986
W. Buddecke. Die Jakob-Böhme Autographen. Ein Historischer Bericht. 1987
G. Snoek. Boedelinventaris Abraham Willemsz. Beyerland. Mit Dank an Godfried Snoek, der das Erbschaftsinventar im GAA Notarieel Archief Amsterdam wiedergefunden hat.

Foto: HACH

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Böhmes befreiender Weg

Um einigermaßen Einblick in das Denken Böhmes zu erhalten, erscheint es uns gut, mit einer Fragestellung zu beginnen, die für jeden von uns erkennbar sein wird, und die, so können wir uns das vorstellen, Ausgangspunkt im Denken und Suchen von Jakob Böhme gewesen sein muss.

Jeder Mensch kennt Gut und Böse, Wahrheit und Lüge, Licht und Finsternis: in seiner Welt sind sie vermischt und unlöslich mit einander verwoben. Wo und was ist nun das absolut Gute, was ist Wahrheit? Und was ist es im Menschen, das ihn danach fragen, suchen und verlangen lässt?

Es ist eine Fragestellung, die logisch ist, jedoch nicht in jedem Menschen lebt. Die Gegensätze (z.B. Gut und Böse) sind auf Grund ihres relativen Charakters ein weites Feld für Spekulationen. Es können spekulative Systeme und Pläne entworfen werden, die Gut und Böse für eine gewisse Gruppe Menschen auf einen annehmbaren Platz verweisen, einen Platz, mit dem man sich einig erklären, identifizieren kann, und der die verschiedenen Facetten des Lebens in ein sehr bestimmtes Verhältnis und in einen bestimmten und festen Rahmen setzt. So wird eine Struktur gebildet, in welcher man sich entfalten kann, man sich sicher fühlt und die eine gewisse Gemütsruhe gewährleistet, vorausgesetzt, dass man sich mit der Dogmatik des betreffenden Systems oder Plans konform erklärt.

Die Menschheitsgeschichte hat viele solcher Systeme und Pläne gekannt, Systeme, die einen mehr oder weniger spekulativen und dogmatischen Charakter zeigten. Denken wir z.B. an den Konfuzianismus, an das Weltbild von Aristoteles, an die Mythologie der Klassiker, an das Christentum, an viele größere und kleinere religiöse oder esoterische, aber auch politische oder ideologische Systeme. Obwohl wir es vielleicht nicht direkt bestätigen möchten, müssen wir bei näherer Betrachtung erkennen, dass auch wir Teil eines spekulativen Systems sind - ungeachtet der starken Individualisierung, die für den westlichen Menschen typisch ist -, eines Systems, das eine Polarisation hat, mit welcher wir uns konform erklären können und wollen, ja, womit wir uns auch identifizieren. Dieses System können wir als eine Art Kosmos sehen, in welchem wir leben.

Es wird deutlich sein, dass dieser "Raum" Begrenzungen hat. Ohne diese Begrenzungen, Rahmen oder Konturen, die die soziale, kulturelle, moralische und politische Atmosphäre bestimmen, würde man in eine akute Identitätskrise geraten. Begrenzung ist jedoch auch eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit; Leben innerhalb eines Rahmens bedeutet, in seiner Lebensentfaltung eingeschränkt zu sein. Wir sehen das Paradoxon: ein System bietet Möglichkeiten, ist ein Lebensraum, in welchem Geborgenheit, Identität und eine gewisse Entfaltung möglich ist, andererseits ist man darin gefangen, manchmal bis zum Extremen (totalitäre Systeme). Wir sehen dann auch, dass innerhalb eines Systems gezogen und gezerrt wird, um Rahmen zu verlegen oder richtig zu konsolidieren. Aktions- und Pressionsgruppen, aber auch Repression in verschiedenen Färbungen sorgen für interne Bewegung. Der Widerstand gegen die Struktur eines Organismus kann sehr heftig werden (multikulturelles Zusammenleben). So kommen oder bleiben Systeme in Bewegung; sie sind mit lebenden Organismen zu vergleichen, die auf der Basis ihrer Polarität anziehen und abstoßen, abbauen und sich ausdehnen.

Wir finden in diesem allem den Grund, warum nicht jeder Mensch nach der Wahrheit fragt und sie auch nicht herbeisehnt. Das System, von welchem wir ein Teil sind, hält uns in Bewegung, und andererseits bauen wir es auf und ernähren es. Der Austausch von Energie, dieses Fluktuieren von Kraft und Gegenkraft lässt wenig oder gar keinen Raum für die Frage nach dem Wirklichkeitsgehalt eines Systems, das man selbst vergegenwärtigt und somit ... nach unserer persönlichen Identität! Die Frage "Wer bin ich und was bin ich?" verschwindet sehr schnell als irrelevant in den Hintergrund und wird weggespült im Mahlstrom eines absorbierenden Systems, wie es unsere Kultur ist.

Wenn wir uns vertiefen, ja untertauchen wollen in das Licht der tiefsinnigen Erkenntnis, von welcher Böhme mit jedem Federstrich zeugte, dann ist es gut, uns von der rein erkenntnistheoretischen Seite seines Werkes zu lösen.

Wenn man die Schriften Böhmes zur Hand nimmt, dann wird man konfrontiert mit einer Terminologie, einer Sprache, einer Symbolik, einer Komplexität an Begriffen, die, wiewohl eine gewisse Schönheit aufweisend, freiweg unzugänglich sind. Man muss sie gleichsam aufbrechen. Was dann gefunden wird, ist ein unerschöpflicher Schatz von derart geistigem Umfang und einer Tiefe, dass deutlich wird, dass dies nicht mit einem durch Gegensätze geprägten Bewusstsein zu erfassen ist.

Nun kann man auf verschiedene Arten reagieren:

* Wir lassen es sein, was es ist,
* wir ergreifen es mit unserem Intellekt und suchen nach dem Schlüssel, dem "Geheimnis" seines "Systems",
* wir beginnen mit Selbsterforschung.

Das letztere ist es, was Böhme uns anrät, er dringt auf Selbsterforschung, Selbsterkenntnis, Einkehr in das Selbst, wobei er zugleich angibt, was die Basis von reiner Selbsterkenntnis sein muss. "Denn das Buch, worin alle Geheimnisse liegen, ist der Mensch selbst (...). Das große Arkanum liegt in ihm, nur die Offenbarung geschieht durch den Geist Gottes."

(Sendbrief 20)

"Die Vernunft soll nicht bei der Außenwelt (der äußerlichen Welt) stehen bleiben, sonst findet sie nichts als dass sie erkennt, dass eine verborgene Kraft und Macht existieren muss, die unergründlich und nicht zu durchforschen ist, welche alle Dinge so geschaffen hat.

Dabei lässt sie es bewenden und läuft im Geschöpf hin und her, wie ein Vogel in der Luft fliegt, und sieht es an wie die Kuh die neue Stalltür; und beschaut sich selber niemals, was sie selbst ist; und sie kommt selten so weit, dass sie erkennt, dass der Mensch ein Bild aus all diesen Wesen ist.

Sie will ihren Schöpfer nicht kennen lernen, und wenn es geschieht, dass ein Mensch dazu kommt, dass er Ihn kennen lernt, dann nennt sie ihn närrisch und verbietet ihm das edle Begreifen von Gott, rechnet es ihm wohl noch als Sünde an und verspottet ihn damit."

In der großen Tiefe und Weite seines geistigen Schauens sucht Böhme stets den Übergang von der Natur zum Menschen; vom Menschen als individueller Erscheinung zu seinem allgemeinen Grund: dem Geist, dem Bild Gottes; vom Bild Gottes zu Gott selbst. So betrachtet Böhme alles als einen dynamischen Prozess von Geburt und Offenbarung des Göttlichen. Stets kehrt er zum Menschen zurück, so wie dieser jetzt ist, und seine Frage lautet: gibt es eine echte Bereitschaft, ein Bedürfnis, das Verlangen nach Erkenntnis, die weiter, tiefer reicht als die äußerlichen Dinge? Und wenn da ein Erkennen ist, dann sagt er: Wenn Sie Teilhaber sein wollen, wenn Sie wirklich zu dieser Erkenntnis durchdringen wollen - und das können Sie - verlassen Sie dann, was Sie haben und sind. Er sagt es so: "Wenn Ihr einen Augenblick in dem sein könnt, wo kein Geschöpf wohnt, hört Ihr, was Gott spricht." Eine einfache Aufgabe, nicht wahr?

Was ist dem bei Böhme vorausgegangen, dass er dies so sagt? "In unserer Verdorbenheit haben wir keine tiefere Einsicht in das, was uns offenbart ist; diese Welt mit ihrem Beginn und ihrem Ende gibt uns nur eine begrenzte Einsicht. Ich hätte auch gerne in diesem meinem engen Bestehen über tieferen Einblick verfügt, damit mein kranker Körper gelabt werden könnte, aber ich durchsuchte die ganze Welt und konnte nichts entdecken; alles ist krank, lahm, verwundet, blind, taub und stumm. Ich habe viele Schriften großer Meister gelesen, in der Hoffnung, den Ursprung und die Tiefe der Dinge darin zu entdecken, aber ich habe nichts finden können als einen halbtoten Geist, der ängstlich bemüht war, gesund zu werden, und ich konnte wegen seiner großen Schwäche nicht zur vollkommenen Kraft kommen."

"Schließlich verfiel ich in eine tiefe Melancholie und Traurigkeit, als ich die große Tiefe dieser Welt, der Sonne, der Sterne und der Wolken, auch Regen und Schnee ansah und in meinem Geist die ganze Schöpfung dieser Welt überschaute. Darin nun fand ich in allen Dingen Gut und Böse, Liebe und Zorn, sowohl in den vernunftlosen Geschöpfen als auch in Holz, Steinen, Erde und den Elementen, so wie in Menschen und Tieren. Darüber hinaus beschaute ich den kleinen Funken Mensch, wie er wohl, verglichen mit diesem großen Werk von Himmel und Erde, von Gott geachtet sein möchte.

Weil ich jedoch fand, dass in allen Dingen Böse und Gut ist, sowohl in den Elementen als in den Geschöpfen, und es in der Welt dem Gottlosen genauso gut geht als dem Frommen, auch dass die barbarischen Völker die besten Länder besitzen und dass ihnen das Glück bei weitem näher ist als den Frommen, wurde ich schwermütig und betrübt, und keine Schrift, die mir doch immerhin wohlbekannt war, konnte mich trösten. (...) Als sich jedoch in dieser Betrübnis mein Geist - wovon ich wenig oder nichts verstehe - inbrünstig in Gott erhob wie mit einem großen Sturmlauf, und mein gesamtes Herz und Gemüt mit allen anderen Gedanken und Begierden sich darein ergab, ohne innezuhalten mit der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu kämpfen, bis dass Er mich segnete, d.h. bis Er mich mit Seinem hl. Geist erleuchten würde, damit ich Seinen Willen verstehen und meiner Traurigkeit quitt sein möchte, da brach der Geist durch. (...) Welch ein Triumphieren in diesem Geist dies jedoch gewesen ist, kann ich nicht beschreiben noch aussprechen; es lässt sich auch mit nichts vergleichen als nur mit der Geburt des Lebens mitten im Tod, mit der Auferstehung von den Toten."

Die Erfahrung, dass Liebe und Hass, Böse und Gut, Sympathie und Antipathie miteinander verflochten, wesentlich miteinander verbunden sind, kann jemanden sehr traurig machen; es kann ihm den vernünftigen Sinn des Lebens nehmen. Es sagt ihm, dass nichts in unserem Universum existiert, das wirklich IST; was ist denn der Maßstab für Liebe, Güte, für Leben und Nicht-Leben anderes als nur ein sehr subjektiver? Er erkennt also auch, dass Identität eine Fiktion, ein an äußerliche, somit sehr veränderliche Bedingungen gekoppelter Wert ist. Und die Frage: Wer bin ich eigentlich? bleibt im leeren Raum hängen. Das Ich maßt sich selbst eine Identität an, mit Piercings, mit einem bestimmten Verhalten, einem bestimmten lifestyle, worin Status, Codices usw. eine wichtige Rolle spielen. Das Ich ist der "homo ludens", es spielt wohl, aber ist nichts.

Die beschriebene Entdeckung kann aber auch zu einem gewissen Maß der Freiheit des Forschens führen; das Individuum ist nicht länger durch alte Begrenzungen gebunden, welche die Identität bestimmten. Sehen Sie den Zusammenhang? Ein Böhme, der um seinen wahren Namen (das Kennen seiner wahren Identität) kämpfte, "bis Er mich mit Seinem heiligen Geist erleuchten würde, damit ich Seinen Willen verstehen und meiner Traurigkeit quitt sein möchte."

Die Verse in Genesis 32, die von dem Kampf Jakobs mit einem Engel erzählen (von Rembrandt auf solch mysteriöse Weise gemalt), sind repräsentativ für die innere Ausrichtung und den Seelenzustand von Böhme und werden von ihm auch beschrieben und erklärt: "In der Nacht stand Jakob auf, nahm seine zwei Weiber und die zwei Mägde und seine elf Kinder und zog an die Furt Jabbok (Stoff), nahm sie und führte sie über das Wasser, dass hinüber kam, was er hatte; und blieb allein. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und da dieser sah, dass er ihn nicht übermochte, rührte er das Gelenk seiner Hüfte an; und das Hüftgelenk ward über dem Ringen mit ihm verrenkt. Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber er antwortete Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Darauf sagt er zu ihm: Wie ist dein Name? Er antwortete: Jakob. Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel. Denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast überwunden. Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heissest du? Er aber sprach: Warum fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn daselbst. Und Jakob hieß die Stätte Pniel, denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und meine Seele ist genesen. Und die Sonne ging ihm auf; und er hinkte an seiner Hüfte."

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Böhme schreibt als Kommentar zu diesem besonderen Teil aus der Genesis: "Als Gott Jakob gesegnet hatte, nannte Jakob diesen Platz Pniel, das ist "ein Erkennen Gottes in der Seele".

Wo Gott in der Seele offenbar wird, da spricht die Seele: "Ich habe Gott in mir von Angesicht zu Angesicht gesehen und meine Seele in diesem Erkennen geheilt." Und als er an Pniel vorbeikam, da ging ihm die Sonne auf, das ist: wenn Gottes Sonne, als Seine Kraft, in der Seele offenbar wird, so empfängt die Seelenessenz dieselbe Kraft in sich, so geht die göttliche Sonne in der Seelenessenz auf, denn da hat nun der Vater Seinen Sohn in der Seele aufgeweckt, der die Sonne der Gerechtigkeit sowohl als die Göttliche Liebe und Freude ist.

Dann hinkt die eigene Natur, denn das Hüftgelenk des natürlichen Willens wird durch sie berührt, so dass der eigene Wille in seinem Vermögen machtlos wird wie Jakob hier."

Von Böhme eine Studie zu machen ist eigentlich ein Widerspruch: es ist, als wollte man ein Erdbeben beschreiben, während man komfortabel in seinem Büro sitzt und seinen Nachmittagstee genießt; oder wie die Beschreibung des frischen Duftes der Jasminblüte; es ist eine Anklage gegen das Werk von Böhme, sein Werk macht sich daraus frei, mit großer Heftigkeit fällt es stets den toten Buchstaben an, die "Mauerkirche", die "gemauerte Kirche", das geschnitzte Bild, die Gemütsruhe der Autoritätsgläubigen, die Eitelkeit der Hirngelehrtheit, die Maul- und Namenchristen:
"Schaut, ihr blinden Heiden, Schriftverdreher und Schriftverbreiter, tut eure Augen weit auf, schämt euch nicht vor dieser Einfachheit. Denn Gott liegt im Zentrum verborgen und ist noch viel einfacher. Aber ihr seht ihn nicht!"

Böhme greift in seinem Werk nach der lebendigen Essenz des menschlichen Lebens, des Menschen selbst; er kämpft mit "dem Mann Gottes" und lässt nicht eher ab, bis er gesegnet wird. Er sucht die Verbindung zwischen "dem Bild", dem Äußerlichen, der materiellen Seite und dem Innerlichen, dem "Bildlosen", dem Geist. Und jeder, der sich mit Böhmes Werk befasst, wird in diesen Streit mit einbezogen. Es wird ihm gehen, als wirbele er hinweg und würde hinuntergezogen in ein noch dunkleres Chaos und läse in einem Buch, worin alle bestehenden Begriffe und Bilder eine andere, vorher nicht gekannte Bedeutung erhalten und haben, weil er in einem lebendigen Buch liest. Wer sagt, dass er versteht, lügt. Böhme zwingt den Menschen zu einer eingreifenden Selbstuntersuchung, er rüttelt an den Fundamenten unserer Erkenntnis und prüft ihre Echtheit.

"Flüchten geht nicht mehr", war der Refrain aus einem Musical von Annie M.G. Schmidt; "Nachsprechen, zitieren geht nicht mehr", jedem Zitat muss man gerecht werden in dem Geist, aus welchem Böhme sprach, arbeitete und schrieb. Böhme und Unverbindlichkeit ist ein äußerster Kontrast, sein Werk ist wie geistiges Dynamit; die Explosion, die es verursacht, wirkt in Schockwellen weiter. Und wenn gedacht wird, dass diese geistige Explosion ausvibriert hat und jetzt nur noch erstorben und unwirksam in vergilbten Büchern verschlossen ist, die lediglich einen historischen oder antiquarischen Wert haben, dann muss das ein ernster Irrtum genannt werden.

Wenn wir uns einen Augenblick auf den Zusammenhang und die Momente geistiger Impulse in der westlichen Welt besinnen und begreifen, dass darin kein Platz für Zufälligkeiten ist, dann kann das Auftreten Böhmes als ein Kulminationspunkt und Umschlagplatz der geistigen Entwicklung Europas gesehen werden - auch als ein Brennpunkt, worin alle vorhergehenden Weisheitsströmungen und -systeme, Gnosis, Christentum und Hermetismus wie in einer Synthese zusammengedrängt und auf eine erneuerte Weise mit dem westlichen Menschen verbunden werden. Man kann Böhme nicht einfach als einen großen Mystiker ansehen; sein Einfluss auf die Entwicklung des westlichen Denkens und als Folge davon auch auf die Entwicklung der westlichen Kultur ist sehr eingreifend.

Der Begriff Mystik bedeutet "sich abschließen", die Sinne verschließen vor der äußerlichen Welt, um nicht länger davon berührt zu werden. Ein Mystiker ist ein Mensch, in welchem die Verbindung mit dem Innerlichen, dem Unteilbaren, wiederhergestellt ist. Darin, in dieser Verbindung, lebt nicht länger das Verlangen, sich mit der Bezauberung des äußeren Bildes zu verbinden, welches identisch ist mit Verschiedenheit, Vielheit, Entwicklung und Vermehrung, identisch mit Gegensätzen und allen ihren Folgen.

"Wenn Ihr Euch losmacht von all dem Geschaffenen, und für alle Natur und Geschöpfe ein Nichts werdet; dann seid Ihr im ewig Einen, das ist Gott selber, und werdet der höchsten Tugend der Liebe gewahr."

Die geistige Größe Böhmes zeigt sich da, wo er die Verbindung herstellt, die Brücke schlägt zwischen dem innerlichen Grund des Alls, dem "Ungrund", dem Ain Soph, und dem Äußerlichen, dem sinnlich wahrnehmbaren Universum. Darin ist er nicht allein der Mystiker, sondern auch der "Philosophus Teutonicus", und darin liegt auch die Faszination der großen Denker für Böhme. Die Bedingungen und die Verfassung, um die Verbindung zwischen Innen und Außen herzustellen, werden von Böhme u.a. in dem Büchlein "Von dem übersinnlichen Leben" beschrieben. Es ist frei von vager, gefühlsmäßiger, auf Autoritätsglauben beruhender Hingabe des Menschen an eine höhere Macht. Im Gegenteil, es mobilisiert das Tiefste, das Intimste, das Eigenste im Menschen, das, worin keine Getrenntheit ist und keine Uneinigkeit herrscht.
"Wenn die Sinne und der Wille Eurer Persönlichkeit schweigen, wird in Euch das ewige Hören, Sehen und Sprechen offenbar, und hört und sieht Gott durch Euch",
"wenn Ihr still seid, seid Ihr das, was Gott für Natur und Geschöpf war, und woraus Er Euch als natürliches Geschöpf erschuf; dann hört und seht Ihr mit dem, womit Gott in Euch sah und hörte, bevor Euer eigener Wille, Sehen und Hören wirksam waren."

Darin wurzelt das Werk Böhmes: nicht einfach in Überlieferung, sondern in Offenbarung aus dem Urgrund, aus dem Un-Grund, worin Getrenntheit und die negativen Ausflüsse davon nicht sein können. Böhme ist nicht reine Mystik, sondern er greift auch ein, erklärt das Wesen der Erscheinungen und verbindet es mit dem innerlichen Grund. Er unterscheidet und verdeutlicht, wo diese Verbindung zerbrochen ist und spricht dann über das luziferische Feuer, das in Wahnsinn, Verblendung und Hochmut des Lebens brennt, das sich lediglich im Äußerlichen behauptet. Dieses Leben kann sich nur, ja muss sich vermehren, aussäen, modifizieren, sich vergrößern und aufblasen in ungezügelter Wut und Triebhaftigkeit, bleibt aber dem verzehrenden Feuer unterworfen, das von Böhme das Zornfeuer Gottes (das erste Prinzip) genannt wird. Wenn dies zu abstrakt sein sollte, brauchen wir nur unseren Blick auf das zu richten, was sich in der Welt abzeichnet. Dem (luziferischen) Leben fehlt struktureller Zusammenhang, fehlt Integrität. Es lebt, parasitiert innerhalb eines zusammenhängenden Organismus (wovon wir uns sehr wohl bewusst sind, dass er besteht, ihn aber doch nicht kennen), ohne Teil davon sein zu können. Es verdirbt den Organismus als bösartige Wucherung und feuriger Brand und will und kann nicht anders!

Dieses Leben wuchert auch im Menschen und hindert ihn daran, gerade durch die Möglichkeit der Wahl und Unterscheidung, des einigenden Lichtes Christi teilhaftig zu werden, das Böhme andeutet als das zweite Prinzip (und das potenziell ebenfalls im Menschen vorhanden ist). Das luziferische Feuer verblendet ihn durch die suggestive Kraft der Einbildung und den Willen, selbst bestimmen zu können, was richtig und nicht richtig, wahr und nicht wahr ist und das Mysterium des Lebens durchgründen zu können als Herr und Meister.

"O Adam, wärst du nicht auf das stolze Tier der Begierde gestiegen! Wärst du doch im Paradies geblieben! Was hast du nun davon, dass du in einer fremden Welt über Gott hinfährst - solltest du nicht besser in Gott sein?"

Das luziferische Feuer verhöhnt (und kann auch nicht anders) das sanftmütige Licht, dem sich der verloren wissende Mensch (in Gelassenheit) anvertraut. Dadurch bleibt der Mensch an die äußerliche Geburt gebunden, die, vom Kreuz des Christus zerbrochen, im Feuer des ersten Prinzips brennt, der Zornwelt, dem Reich der Finsternis, das brennende "Rad", das in Härte, Schärfe, Kälte, Bitterkeit und Angst existiert, worin die Gegensätze ewig mit einander im Streit und in Angst zusammengebunden sind. Hoffart, Gier, Neid und Zorn nennt Böhme die vier Elemente oder Tugenden des Feuers, mit welchen der eigenwillige Mensch bis in seinen Kern infiziert ist. Das Sich-Erheben im Stolz bedeutet: alles zerbrechen wollen, in und über alles herrschen wollen, alles zu verzehren und allein zu sein. Lüge ist dann die einzige Wahrheit, der eigene Wille leugnet die Wahrheit und richtet sich damit gegen sich selbst, in Selbstzerstörung. ("Darum sagt Christus, dass der Teufel ein Vater der Lüge ist, denn sein Fundament ist lauter Nein, ein der Wahrheit, dem Ja, Widersprechen.")

Es ist wichtig, zu verstehen, dass, obwohl Böhme in seiner Vision ein System, eine Kosmologie beschreibt, eine Entwicklung, eine Schöpfung, die sich aus dem ewigen Nichts offenbart, dem Ungrund, als einen dynamisch sich ewig vollziehenden Prozess, er dies vollkommen geistig sieht und auch so meint. Das Verstandesdenken kann dies nicht fassen, weil es in Gegensätzen gefangen ist und auch nicht anders kann. Der geformte Begriff ist äußerlich und entbehrt des Zusammenhangs, mit anderen Worten: ist nicht-hermetisch, entbehrt der Gnosis; Böhme dachte hermetisch, nicht durch Übung oder etwas Derartiges, sondern aus Gnade.

"Jedoch hat Gott außerhalb der Natur und Kreatur keinen Namen, sondern heißt allein das Ewig Gute als auch das Ewig Eine, der Ungrund und Grund aller Wesen.
Er hat keinen Ort. Darum kann Ihn auch kein Geschöpf nennen, denn alle Namen stehen im geformten Wort der Kräfte.

Gott aber ist Selbst die Wurzel aller Kräfte ohne Anfang und Name. Darum sagt Er zu Jakob: "Warum fragst du, wie ich heiße?" und segnete ihn.
So wie die Geschöpfe, auch alle Gewächse der Erde, nicht wissen können, wie die Kraft der Sonne heißt, aber stillstehen vor der Sonne und diese ihnen Kraft und Wärme gibt und sie segnet, damit sie wachsen und Frucht bringen, so ist es auch hier von Jakob und von allen Menschen zu verstehen.
Als Jakob das Morgenrot Gottes in seiner Seele sah und fühlte, da segnete ihn die göttliche Sonne im Namen Jesu (...). Hierbei ist zu beachten, wie es Jakob und allen Kindern Gottes in diesem Sonnenschein ergangen ist und noch ergeht. Wenn die Gnadensonne mit ihrer wirkenden Kraft in der Seele aufgeht, dann erfreut sich die Seele und will Gottes Angesicht gerne stets auf kreatürliche Weise sehen, wie auch Moses dies verlangte... Sie denkt, dass Gott etwas Formenhaftes ist, dass sie Gott nicht gut sehen würde und will Gott deshalb im Bild kennen! So nahe liegt uns das kreatürliche "Bildermachen" in dem abgewichenen Eigenwillen im Gemüt, dass wir nie verstehen können, was Gott ist, außer dass Er der Abgrund aller Natur und Geschöpfe selbst ist als das ewig Eine, Das in nichts als nur in Sich Selbst wohnt und keine Form noch etwas hat. Und es wäre gut und recht, dass wir nicht durch die Meister der Buchstaben so in äußerliche Formen geführt werden, wenn man über den einzigen Gott lehrt und spricht, wie es bis heute geschieht, dass man uns ganz mit Bildern (Lehrsätzen, Formeln, Meinungen und Überzeugungen) auf einen Irrweg gebracht hat, als wollte der einzige Gott dies oder das, wo Er doch selber der einzige Wille in Bezug auf Geschöpf und Natur ist, und die gesamte Schöpfung rein und allein in der Erschaffung Seines ausgeatmeten Wortes und Willens begriffen liegt, und die Trennbarkeit des einzigen Willens in das Aussprechen und mit der Zusammenfassung der Natur verstanden wird.

Wenn der Hochmut Luzifers denselben Meistern aus Herz und Augen gerückt werden würde, so würde man unmittelbar Gottes Angesicht sehen. Aber der Turm von Babel, worin man mit Treppen und Meinungen zu Gott aufsteigen will in einen besonderen Himmel, worin Gott vergittert sitzt, hält die wahre Erkenntnis und den Verstand auf, so dass wir stets fragen: "Wie heißt Gott? Wo ist Gott? Was will Gott? Und auch: "Er will Gut und Böse", woraus sie einen Berg von Dekreten göttlicher Absichten aufhäufen, so wie ein Fürst in seinem Land Gesetze macht, während sie genau soviel Verstand von Gott und Seinem Willen haben wie der Topf von seinem Töpfer begreift.

Es ist beklagenswert, dass man uns so in Blindheit führt und die Wahrheit in Bildern zurückhält. Denn wenn die göttliche Kraft im innerlichen Grund der Seele mit ihrem Glanz offenbar und wirksam wird, so dass der Mensch danach verlangt, den gottlosen Weg zu verlassen und sich Gott hinzugeben, dann ist der ganze Drei-einige Gott im Leben und dem Willen der Seele gegenwärtig, und ist der Himmel dort erschlossen, wo Gott der Seele innewohnt, und ist der Ort dort in der Seele, wo der Vater seinen Sohn gebiert und wo der Heilige Geist von dem Vater und dem Sohn ausgeht. Denn Gott hat keinen messbaren Raum nötig.

Er wohnt auch im Abgrund der gottlosen Seele, jedoch für diese nicht begreiflich nach Seiner Liebe, sondern wird nach Seinem Zorn in der gottlosen Seele offenbar und tritt an den Tag. Denn das ewig sprechende Wort (als Zusammenfassung von Natur und Kreatur) wird nach dem Seelenwillen (der innerlichen Ausrichtung und der Lebenshaltung) sichtbar, wovon die Schrift sagt: "Bei den Heiligen bist Du heilig und bei den Verkehrten bist Du verkehrt". (...) Und dennoch ist Er nur ein einziger Gott und nicht zwei". (...) Darum ist es alles nutzloses Gefasel und Äußerlichkeit, wenn man fragt: "Wie heißt Gott?" und auch dass man sagt: "Er will dies und das, Böse und Gut", ohne dass man etwas vom Grund zu sagen weiß; wie Er Böse und Gut will; wie man die Aussagen der Heiligen Sprache zu verstehen hat."

Das Mysterium der Wiedergeburt steht im gesamten Denken Böhmes zentral. Ohne Wiedergeburt ist das Denken und Tun ohnmächtig. Es bewegt sich in und formt nur "Schnitzbilder". Kein einziger Denkprozess kann den Menschen über die Grenze des menschlichen Unvermögens hinüber führen. Alle Zitate aller Weisheit geben nicht mehr als einen schwachen Trost und Tünche im traurigen und dunklen Bestehen. Worauf wartet der Mensch?

"Wir haben das Licht vom Herzen Gottes verloren, denn in Adams Fall sind wir vom ewigen Licht weg nach dem Licht dieser Welt gegangen, und die Seele hat nichts anderes zu erwarten als dass das Licht dieser Welt für sie vergehen wird, falls sie nicht wiederum eingeht zum göttlichen Licht. Denn, wie wir Menschen Gott mit den Augen dieser Welt nicht sehen können, der doch allezeit um und bei uns ist, so müssen wir erst andere Augen bekommen, damit wir Gott fühlen und ergreifen können. Dann werden wir Ihn auch schauen."

Das sichtbare Universum ist ein einziges großes System, worin alles, was erscheint, unbeständig und der Vergänglichkeit unterworfen ist. Man kann mit Mühe aufrechterhalten, dass tot lebendig oder Licht Finsternis ist, aber sie sind nicht konstant, die Gegensätze wechseln einander ab. Deshalb spricht Böhme über "das Haus des Todes"; nichts kann zu wahrem Leben kommen oder es wird abgebrochen in seiner Geburt, seinem Werden und seiner Blüte. Der Mensch kann nichts anderes erwarten, so sagt Böhme, als dass das Licht, das er kennt, stets für ihn vergehen wird, und so kennt er nur Finsternis, worin jeder Lichtimpuls durch das luziferische Feuer verschlungen wird.

Zu wem dringt dies durch? Wer ist sich bewusst, dass das sichtbare Universum nur ein "äußerliches Bild" für ein verborgenes, unvergängliches Leben ist? Der äußerliche Mensch kann diesem verborgenen Leben nicht nahen, mit nichts. Studieren, Devotion, Magie oder was auch immer bringt ihn auf einen anderen Platz in der äußerlichen Geburt; es verändert ihn nicht, das luziferische Feuer brennt nirgendwo weniger in der Uneinigkeit des äußerlichen Bestehens. Uneinigkeit ist das flammende Feuer, in welchem Welt und Mensch brennen.

Wie und wodurch kann der Mensch diesem Feuer entkommen? Böhme sprach über die "edle Perle", die rein und unversehrt im Inneren des Menschen ruht. "Luzifer wütet gegen die Kinderchen, ja, er wird alles tun, um das Perlchen zu besudeln. Die reine, klare Seele ist der Mensch, in welchem Erkenntnis dämmert und der dem Weg der Erkenntnis folgt, heraus aus den Schrecken im Haus des Todes. Ja, viele Male wird dieser Mensch Angriffe ertragen müssen, doch wenn er ausharrt auf dem rechten Weg der Erkenntnis, wird ihm das kostbare Perlchen geschenkt werden." (Es ist bereits in ihm). Aus diesem Lichtprinzip muss er aufs neue geboren werden, wiedergeboren aus Wasser und Geist. "Darum besinnt Euch, Kinder, und geht ein in die rechte Tür! Es kommt nicht nur auf das Vergeben an, sondern auf das Geborenwerden. Dann ist es auch vergeben, das ist, die Sünde ist wie eine Hülse: der neue Mensch wächst heraus und lässt die Hülse hinter sich. Das ist Gottes Vergebung. Gott ver-gibt das Böse von dem neuen Menschen weg, Er gibt es von ihm weg. Es wird nicht aus dem Körper weggeführt, sondern die Sünde wird im Zentrum vergeben, nämlich als das Feuerholz und muss auf diese Weise eine Ursache des Feuerprinzips sein, aus welchem das Licht scheint. Es muss dem heiligen Menschen zum Guten dienen, so wie Paulus sagt: "Denjenigen, die Gott lieb haben, kehren sich alle Dinge zum Guten, auch die Sünde." Was sagen wir dann: "Müssen wir sündigen, damit unser Heil geboren wird? Wie könnte ich wieder eingehen wollen in dasjenige, dem ich abgestorben bin? Würde ich aus dem Licht wieder in die Finsternis gehen?" Was dem Sünder ein Stachel zum Tode ist, ist dem Heiligen eine Macht zum Leben."

Wie wird nun der Mensch wiedergeboren? Was der Stachel ist für den Menschen, der außerhalb des Lichtes steht, ist das verborgene Manna für denjenigen, der im Licht steht. Der Mensch wird wiedergeboren durch (freiwilliges) Herausgehen aus dem alten Salniter, indem er den neuen Salniter zur Wirksamkeit bringt. Um dies zu illustrieren, zitieren wir aus Offenbarung 2: "Wer überwindet, dem werde Ich geben von dem verborgenen Manna, und Ich werde ihm einen weißen Stein geben und auf den Stein einen neuen Namen schreiben, welchen niemand weiß als der ihn empfängt." Niemand durchgründet dieses Myserium besser als Böhme in seinem Buch "Von den drei Prinzipien": "Dass das göttliche Morgenrot in mir aufgeht.

Auf mich stürmt ein die Gerechtigkeit Gottes. Aber in den wirklichen Kämpfern spricht die Seele zu Gottes Gerechtigkeit: "Ich lasse Dich nicht gehen, Du segnest mich denn: das ist: Du gibst mir erst die Sicherheit, dass ich meinen Heiland Christo ansehe; dass Er ich und ich Er bin.

So spricht dann Gottes Gerechtigkeit wie zu Jakob: Wie heißt du?

So nennt sich dann die arme Seele nach ihrem selbstgeschaffenen Namen, wie es Jakob tat, als er sich hier Jakob nannte: aber wie auch der Herr zu Jakob sprach: Du sollst nun nicht länger Jakob heißen, sondern Israel; das ist: ein Baum des Lebens.
So auch sprach Gott zur Seele: Du sollst keinen eigenen Namen in Mir haben, sondern du sollst ein Christ in Christus heißen: ein Zweig im Baum Israels, eine Ranke am Weinstock Christi; denn du hast mit Gott und den Menschen gestritten und hast überwunden: du hast Gottes Gerechtigkeit in der Grimmigkeit des Zorns in deinem Streit im Geist Christi gewonnen und bist nun ein essentieller Christ und nicht mehr ein Namens- und Maulchrist.

Als Jakob in seinem Glaubenseifer in seinem Kampf das Morgenrot Gottes im Geist Christi ergriff und Christus von ferne ohne menschliche Gestalt sah, sprach er: Wie ist Euer Name? Aber Christus sprach: Warum fragst du wie ich heiße? Das ist: Ich bin kein Fremder, sondern bin Israel in dir: Ich habe keinen anderen Namen, sondern Dein Name und Mein Name sollen eins sein.

Denn Gott hat außerhalb der Natur und des Geschaffenen keinen Namen, sondern heißt allein: das ewig Gute und das ewig Eine: das unergründlich Tiefe und der Grund alles Seienden: Er wird an keinem Ort gefunden, darum kann keine einzige Kreatur ihn recht nennen: denn alle Namen stehen im geformten Wort der Kraft: Gott ist selbst die Wurzel aller Kraft ohne Anfang und Name."

Und wie außergewöhnlich ist es dann, wenn wir als Bekräftigung des geistigen Erbgutes von Böhme in unserer Zeit im Buch "Walpurgisnacht" von Gustav Meyrink lesen: "Ein Missetäter ist er, der das Lied seiner Seele nicht hört, ein Missetäter gegen das Leben, gegen Andere und gegen sich selbst. Mein Lied ist eine ewige Melodie der Freude; wer diese Melodie nicht kennt, die klare, unergründliche frohe Sicherheit, das Ursachlose: Ich bin der Ich bin, der Ich war und immer sein werde, der ist ein Sünder gegen den heiligen Geist. Vor dem Glanz der Freude, der in der Brust strahlt wie eine Sonne am innerlichen Himmel, weichen die Spukgestalten der Finsternis, die den Menschen als die Schemen vergessener Verbrechen begleiten, begangen in einem früheren Bestehen, und die die Fäden seines Schicksals weben. Wer dieses Lied der Freude hört und singt, der vernichtet die Folgen jeglicher Schuld und lädt niemals mehr Schuld auf sich. Wer sich nicht mehr erfreuen kann, in dem ist die Sonne gestorben. Wie soll so jemand Licht ausstrahlen können? (...) "Das wahre "Ich" ist nur wiederzuerkennen an der Wirkung. Es hat keine Ausdehnung; und doch, weil es keine hat, ist es - überall. Verstehe es gut: über-all. Es steht über dem All, ist all-gegenwärtig. Das "Ich" strömt durch den Menschen hin; von da her ist eine Umpolung im Denken notwendig, um sich selbst im eigenen "Ich" wiederzufinden."

Sehr geehrte Anwesende, gerne möchten wir diesen Vortrag mit einem von Böhmes letzten Aussprüchen beschließen: "Ihr werdet noch wunderliche Dinge hören, denn die Zeit ist geboren, von welcher mir durch ein Gesicht gesagt wurde, nämlich die Reformation. Das Ende befehle ich Gott; denn ich weiß es noch nicht."

Vortrag: P. G. Olsthoorn

Übersetzung ins Deutsche: Ursula Klee

Gemälde: Rembrandt

Gemälde v. Jakob Böhme: wikipedia

Literaturhinweise:
I.de Hartog-Meijes De Roede des Drijvers verbroken.. Auswahl aus Vierzig Fragen von der Seele von Jakob Böhme. Haarlem, Rozekruis Pers, 2000
Prof. Dr. A.H. de Hartog: Levend in de Eenvoud van Christus. Haarlem, Rozekruis Pers, Haarlem 1999

luyken jan

Jan Luyken, Böhme und die Seele

Nun lüstet's mich, Euch vorzumalen,
das, was man von dem Himmel spricht,
wie es die Freunde Gottes sagen,
die auf Versenkung sind gericht'...

Dies hört' ich unterwegs erzählen:
vom Vaterland, von Ruh und Fried'.
Und weil wir miteinander reisen,
so teilen wir's Euch wieder mit...

Das besondere Band zwischen den Niederlanden und Böhme kommt sehr stark in dem Werk des berühmten Radierers und Kupferstechers Jan Luyken zum Ausdruck. Wussten Sie, dass dieser holländische Meister-Graveur eine wichtige Übersetzung von Böhmes "Morgenrot oder die Mutter der Wurzel der Philosophie, Astrologie und Theologie", besser bekannt als "Aurora" gefertigt hat? Diese ist 1678 erschienen. Der Einfluss der süßlichen Bilder von Luyken in den Niederlanden ist enorm gewesen. Es gab eine Zeit, in der man sie auf jedem Markt kaufen konnte. Fast jede Familie hatte mindestens einen Druck oder eine blaue Delfter oder andere Kachel mit einem solchen Bild darauf an der Wand hängen.

Jan Luyken (16.04.1549 - 05.04.1712) kennen Sie vielleicht besser aus dem berühmten "Spiegel van het Menschelijke Bedrijf" - Abbildungen, wo jeder Beruf symbolisch für das Erwerben einer "guten" Eigenschaft steht, die letztendlich zum ewigen Heil führen soll. Jan Luyken ist auch ein ursprünglicher Dichter gewesen; in einer Zeit, wo viel bombastisch Schwülstiges verfasst wurde, schrieb er eine Poesie, die ungekünstelt und hie und da sogar sprühend ist. In der niederländischen Literatur nennt man ihn den letzten Stern oder auch wohl den "vollen, reinen Schlussakkord" des goldenen Zeitalters. Sein Erstlingswerk erschien 1671 (Luyken war 21 Jahre) und ist ein Lobgesang auf die natürliche Liebe, es heißt "Duytse Lier". Es war als Liederbuch konzipiert, mit natürlicher Leichtigkeit und gefühlvoll geschrieben, versehen mit zehn Gravuren. Danach hat er nur noch geistliche Poesie geschrieben und, oft bebildert, herausgegeben.

1678 erscheint von Jan Luyken das Büchlein: "Jezus en de Ziel" ("Jesus und die Seele"). Es ist in der bewährten und zu dieser Zeit beliebten Form einer Pilgerreise verfasst. Diese wird in drei Teilen erzählt. Im ersten Teil geht die Seele auf Reisen, und sie entledigt sich der umfassenden Gefangenschaft der natürlichen Gestalt, plastisch ausgedrückt als "das Fleisch". Der zweite Teil handelt vom schauenden Leben und der dritte Teil von der Heimkunft in und zu Gott: "Die Seele begehrt (...) sich selbst in den göttlichen Abgrund einzusenken wie ein Tropfen Wasser in den Wein." Jeder Teil enthält eine Anzahl von Sinnbildern. Es sind Gravuren mit symbolischer Bedeutung; und jedes Bild wird durch ein Gedicht erklärt, in welchem die Seele ihre Not oder Bedrängnis zum Ausdruck bringt. Ihre Not wird mit einer "göttlichen Antwort", die meist ein Zitat aus der Bibel ist, beantwortet. Danach folgt eine kürzere oder längere Betrachtung in Prosa, ein Stückchen Text. Die Poesie basiert oft auf Teilen aus "Von den drei Prinzipien" oder aus "Der Weg zu Christo", dem einzigen Buch, das zu Lebzeiten Böhmes herausgegeben worden ist; die Prosa kommt in vielen Fällen aus Luykens eigener Aurora-Übersetzung - sieben Jahre, bevor diese in niederländischer Sprache publiziert wird -, während das Programm des ganzen Werks starke Übereinstimmung mit "Dialog einer erleuchteten und einer unerleuchteten Seele" aufweist.

Luyken schreibt im Vorwort: "Niemand, der in den Garten dieser Sinnbilder kommt, denkt, dass alle diese Blümchen aus unserem eigenen Grund gewachsen sind: die meisten, die die kräftigsten Farben und den schönsten Duft aufweisen, haben wir aus den Gärten der hochwürdigen Freunde Gottes, die zum schauenden und vereinigten Leben gekommen sind, zusammengelesen und hier zur Ergötzung des Geistes gepflanzt." (...) und etwas weiter: "Und wie ich oben gesagt habe, falls Ihr hier etwas Hohes findet, wie in der Wahrheit an manchen Stellen etwas Hohes ist, so meint nicht, dass ich es selbst erfahren habe. O nein! Aber ich nehme es mit Freuden als liebwerte Wahrheit an und begehre, dass es in mir und in allen Menschen wirklich vollbracht werden möge. Und dass wir selbst, nach dem inwendigen Grund, zu einem anmutigen Garten werden mögen, bepflanzt mit vielerlei wohlriechenden Kräutern und Blumen, gereinigt von allen stechenden Disteln und Dornen, damit Er, der unter den Lilien wandelt (Jesus, gebenedeit in Ewigkeit) Lust hat, bei uns und in uns zu wohnen."
Einer dieser "hochwürdigen Freunde" ist z.B. Thomas à Kempis; aber der wichtigste von ihnen ist Jakob Böhme. An vielen Stellen finden wir Textstückchen direkt aus seinen Schriften.

Aber lassen Sie uns Luyken kurz durch seine Böhme-Ausgabe folgen. Im ersten Sinnbild finden wir im Text des Gedichtes: Ein Jüngling und ein Esel sitzen auf einer Veranda. Der Esel lässt es sich an Speise und Trank wohl sein, ob auch der Jüngling sagt: "Noch fühle ich oft in meinem Gemüt einen Feuerfunken, ein tief verborgenes Leben, das hungert nach einem höheren Gut und spricht: wir sind nicht zu Hause auf dieser Erde, mich dürstet nach dem Vaterland, nach dem Vater, der mich aus seinem Wesen gebar."

Der Esel wischt seine Besorgnis hinweg und sagt: "Ach kommt, noch Zeit genug! Weg mit den tiefen Sorgen! Vollbringt noch diese letzte Lust!"

Und das Bild endet mit den Versen: "Dies treibt das Fleisch vom ein' zum andren Morgen und setzt den Geist in falsche Ruh'. Nun länger nicht! Jetzt ist Zeit, zu erwachen, eh' dass die Seel' zur Distel wird und nie die Gnad' erlange!"
Und dann seufzt Luyken: "O Herr, gib mir ein anderes Herz!"

Ja, das ist Böhme. In Der Weg zu Christo schreibt er zum Beispiel: "Die Seele, die will wohl gerne, aber das Fleisch hält sie gefangen; der Teufel deckt sie fest zu (= erstickt sie) und sagt im Gemüt: bleib noch, tu erst noch dies und das, es ist noch Zeit genug." Und im gleichen Buch: "Denn das Verlangen, sich einmal zu bekehren, ist Gottes Stimme im Menschen, welche der Teufel mit seinen eingefügten Bildern bedeckt und aufhält, so dass es von dem einen Tag und dem einen Jahr zum anderen aufgeschoben wird, bis endlich die Seele eine Distel wird und die Gnade nicht mehr erreichen kann."

Im elften Sinnbild zitiert Luyken Böhme aus Von der Menschwerdung Christi. Darin sagt Böhme: "Also soll niemand denken, dass der Baum des christlichen Glaubens im Reich dieser Welt gesehen oder bekannt wird. Die äußerliche Vernunft kennt ihn nicht, und obwohl der schöne Baum bereits im inwendigen Menschen steht, zweifelt die irdische Vernunft noch immer, denn der Geist Gottes ist ihr eine Torheit, sie kann ihn nicht begreifen.

luyk001jezu und die Seele

Obwohl es geschieht, dass der Hl. Geist sich in den äußerlichen Spiegel öffnet, so dass das äußerliche Leben darüber hoch erfreut und von großer Freude bebend wird und denkt: Nun habe ich den werten Gast bekommen, nun will ich es glauben - so ist doch keine vollkommene Beständigkeit darin, denn der Geist Gottes verbleibt nicht für immer da im irdischen Quell des äußerlichen Lebens; er will ein reines Gefäß haben, und wenn er nach innen schaut in die Geburt des Lichts, so wird das äußerliche Leben kleinmütig und verzagt."

Die folgende Abbildung, Sinnbild 15, kommt aus dem zweiten Teil, dem Schauenden Leben. Das Gedicht beginnt:

"Das tiefe Dunkel wird nicht weggenommen
solang das Morgenlicht ersehnt wird, hochzukommen.
Betrüg' Dich nicht, o Mensch! Wirst keiner Sünden quitt
So lange, wie du noch der alte Adam bist!"

Dann erzählt Luyken, dass es nicht so ist, dass jemandem die Sünden wie eine Gunst vergeben werden, während weiterhin alles beim alten bleibt.
"Nein," so sagt er, "es muss anders geh'n:
so dass ein Feuerbrand des Herren
den alten bösen Mensch zu Staub verzehre;
da grünt ein Leben aus, das Gott in Christus minnt,
von aller Schuld befreit und annimmt als Sein Kind."

Das neunzehnte Sinnbild ist auch als ein Kompendium der Lehre Böhmes anzusehen.
Luyken dichtet wunderschön:

"Ein Wasser wie Kristall, worauf kein' Kühle spielt,
empfängt so fein und rein das Sonnenbild.
So war die schöne Seel', das Edelste der Ding',
die durch die Weisheit Gottes ein' Wesenheit empfing:
ein' Funk' des ew'gen Feuers, durchstrahlt von Gottes Licht.
Ein klarer Spiegel war's für's ewig Angesicht,
wo's ewig, endlos Eine (in Höhe und in Breite
und ew'ge Tiefe nie zu messen und ergründen)
sich selber schaut' und fand in dem geschaff'nen Bild
das vor der Schöpfung hier in Seiner Weisheit spielt'."

Was soll der Mensch nun tun, fragt Luyken dann.
"Wie soll am besten er's anfangen,
's verlorne Bild im Herzen wieder zu empfangen?
Ein WILLE, heraus aus ew'gem Seelenfeuer,
der treibe, wie mit einer Geißel, die ganze Kreatur
mit allen ihren Bildern aus und steh' der Gottheit stille
von aller Begehrlichkeit, dass er vollbringe Seinen Willen!
Da ist kein andrer Rat; kostet's auch Weh und Pein,
nun muss es erduldet oder muss verloren sein."
Wie er sich die Vergebung und das Annehmen in seinem Werk vorstellt, zeigt das letzte und wunderschöne Sinnbild des "Schauenden Lebens": Nr. 26: Luyken lehrt uns: "Wenn der Mensch einst gereinigt ist, so gibt es noch eine feinere Reinigung und dann noch eine feinere. Das Sterben und Verändern geht vor sich wie das Wachsen geschieht. Niemand soll meinen, das derjenige, der sich des ewigen Lebens sicher ist, darum nicht zu leiden hat. (...) Wenn das Gold Gefühle hätte und sprechen könnte, oh, wie würde es von einem großen Leiden erzählen, ehe es zur Reinheit gekommen ist. Der Mensch ist im Verborgenen von vielen Dingen besessen, von denen er nichts weiß; die er erst bemerkt, wenn sie ihm genommen werden. Auch fühlt der Mensch zuweilen noch Scham in sich und weiß nicht, woher es kommt (...). Dass wir in so großes Leiden geraten, geschieht nicht deshalb, weil Gott Lust an unserem Leiden hat, sondern Er nimmt uns die Dinge, auf die wir uns verlassen, und das bedeutet für uns solch ein Leiden."

Im dritten Teil, wo "die Seele, nach der Art der Liebe, begehrt, mit ihrem Geliebten ganz vereinigt zu sein", sehen wir eine Anzahl Eigenschaften der heimkommenden Seele wiedergegeben.

Im sechsunddreißigsten Sinnbild sehen wir, wie die irdische Natur wütet und wirkt,

"Rein alle Dinge mussten schwören,
dass sie die Ruh' mir wollten stören,
vergebens war's, wie Ihr gleich seht:
sie raubten meine Ruhe nicht."

Und der erklärende Text sagt:

"Wer an diesem heilsamen Ort auszuruhen begehrt (in Jesus gestorben, so sagen die Rosenkreuzer), der muss alle falsche Ruhe, auf Kreaturen gestützt, verlassen. Ihr irrt Euch sehr, so Ihr irgendwo (anders) Ruhe sucht als in Gott. Wer in Gott ruht, braucht nichts zu fürchten, denn Gott ist mehr als alle Geschöpfe. Doch wer in irgendeinem Geschaffenen ruht, befindet sich fortwährend in der Furcht, dass ihm seine Ruhe durch ein anderes Geschöpf gestört und zerbrochen wird. Und auch: wo noch Furcht ist, da ist keine wahre Ruhe."

Und dann zum Schluss das neununddreißigste Sinnbild: das Verlangen der Seele, entbunden und bei Christus zu sein. In diesem letzten Sinnbild singt Luyken gleichsam seine Freude heraus, so wie er das so viele Male bei Böhme gelesen und erfahren hat:

"Nichts ist, das mich von meiner Lieb, von Gott, kann scheiden,
als eine alte Mauer, die steht noch zwischen beiden:
mein Fleisch, der alte Mensch. Wenn ich den seh' vergehen
von Tag zu Tag, wenn Sturm und Wetter auf ihn niedergehen,
das weckt in mir groß' Freude, solang bis er zu Grunde
durch Schlag und Stoß gekränkt und nimmer wird gefunden.

Dann schmilzt mein Geist wie Wachs in Jesu Liebesfeuer.
Wir werden ganz vereint: was Er ist von Natur
und aller Ewigkeit, das werde ich aus Gnade."

Und dann folgen längere Passagen aus Böhmes "Aurora" in der Prosa, die dem Büchlein das Geleit gibt. In den letzten Zeilen des Buches erzählt Jan Luyken noch einmal, in Versform, dass es nicht sein Verdienst ist, wenn etwas Gutes oder Schönes in seinem Werk gefunden wird:

"Es sind nicht Blumen von meinem Land.
Ich hab' sie zusammengelesen,
weil ich sie so wohlriechend fand
und angenehm von Wesen
und hab' sie hier zusammengebracht,
weil's tröstlich ist, sie anzusehen,
dass Ihr von ihrer schönen Kraft
ein Muster möchtet nehmen.
Es war eins Andern Rosengarten,
wohin ich kam zum Pflücken,
und lass' sie Euch, nach Bruderart,
anschauen und beriechen."

Und wie ein Gruß aus vielen Jahrhunderten klingen seine letzten Worte:
"Fahrt wohl in Gottes Geleit und Hand,
meine Brüder und ihr Freunde,
bis dass wir in dem Vaterland
einander glücklich finden. Amen."

So sehen wir, dass es nicht auf große Gelehrsamkeit oder auf eindruckerweckende Studien ankommt, um Böhme verstehen zu können. Das kann nur ein Verstand, erleuchtet durch das einfältig gewordene Herz, das ihn wirklich begreifen kann - im gleichen Augenblick, in dem es "in der neuen Geburt" steht.

Vortrag: P. F. W. Huijs

Übersetzung ins Deutsche: Ursula Klee

Literatur:
Jan Luyken: Jezus en de Ziel. Een Geestelyke Spiegel voor 't Gemoed, Bestaande in veertig aangename en stichtelyke Zinnebeelden. Amsterdam, 1714
F. Reitsma. "Der Ursprung von Luykens "Jezus en de Ziel" in: Tijdschrift voor Ned. Taal en Letterkunde, Teil XXX V, aflev. 3

Bild: Jan Luyken: Jezus en de Ziel (2. Teil).
Bild 26. Amsterdam, 1714