Aufbrechen und Abbrechen als Bedingung für Neues
11.01.2012 von Jean Pierre Weber
Der Bauer bricht die Erde auf, um Samen in sie hineinzulegen.
Knospen brechen auf und künden den Frühling an.
Der Same gedeiht nur in einer jungfräulichen Erde,
wächst zu einer Pflanze heran, blüht und trägt
Früchte.
Wenn er auf nackten Stein fällt, geht er nicht auf.
Fällt er unter die Dornen, geht er zwar auf,
stirbt aber wieder, weil er kein Licht bekommt.
Wenn die Erde aufbricht und ein Vulkan Lava ausstößt, kann es
eine Katastrophe sein. Doch die vulkanische Erde ist fruchtbar.
Eine Beziehung zerbricht und beendet eventuell lange Qualen. Eine neue
Beziehung bietet neue Chancen.
In einer alten Beziehung können wir zu einer tieferen Ebene des
Verstehens durchbrechen. Dann bricht der Zauber des Neuen in das Alte
ein und verwandelt es.
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Der Tod kommt, weil
der Körper alt, krank oder ausgelaugt ist. Er eröffnet dem
Kern der Seele die Chance für einen neuen Beginn unter neuen
Umständen.
In dem Märchen Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
heißt es: "Heinrich, der Wagen bricht." - "Nein, Herr,
der Wagen nicht, es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in
großen Schmerzen, als ihr in dem Brunnen saßt, als ihr eine
Fretsche (Frosch) wart."
Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Wege, und der
Königssohn meinte immer, der Wagen bräche, und es waren doch
nur die Bande, die vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein
Herr erlöst und glücklich war.
Ein Bruch im Leben, in der Biographie, ist mitunter notwendig, damit
wieder Fahrt ins Leben kommen kann. Wenn es nicht mehr so weiter geht
wie bisher, ist Mut erforderlich, um etwas Neues zu wagen.
Ein Gebrechen deutet darauf hin, dass im Leben etwas nicht mehr im
Einklang mit einer gesunden Entwicklung ist.
Eine eitrige Wunde bricht auf, wenn Fremdstoffe im Körper von
Bakterien angegriffen werden und der Körper sich von beiden
entledigen möchte.
Ein Erbrechen findet statt, wenn der Körper sich dessen, was zu
viel ist oder nicht zu ihm gehört, entledigt.
Das Erz wird aus dem Schoß der Erde herausgebrochen. Das Feuer
erhitzt das Erz, so dass das reine Metall sich von der Schlacke trennen
kann. Das Feuer ist für die Geburt des reinen Metalls notwendig.
Ein Verbrechen ist die falsche Veränderung im Leben.
In allen Bereichen des Lebens kann ein Umbruch stattfinden. Der Bauer
bricht eine Wiese mit dem Pflug um, wenn sie kein gutes Gras mehr
liefert oder wenn er sie als Acker für Getreide oder Gemüse
nutzen möchte.
Dir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn du zugibst, dass du falsch
gehandelt hast. Im Gegenteil, es ehrt dich, wenn du deinen Fehler
eingestehst.
Mancher hält die Realität nicht mehr aus, wie sie ist. Er
bricht mit ihr und sucht die höhere Dimension.
Etwas bricht aus mir heraus, wenn ich Neues erkannt habe und ich es
anderen freudig mitteilen möchte.
Das Küken im Ei bricht durch die Schale hindurch; so geschieht es,
wenn neues Seelenpotenzial erwacht und genutzt wird.
Der große Bruch mit dem Bisherigen kann eine totale Umwendung
bedeuten. Neue Perspektiven und Horizonte eröffnen sich, eventuell
auch andere Welten. Die Verbindung mit neuen Kräften kann eine
Transformation bewirken, einen Kontakt zu neuen Himmeln, Erden und
Kräftesystem herstellen, vielleicht sogar zum Göttlichen innen
und außen.
Das sind meine Wünsche für das Jahr 2012. Für die, die es
angeht.
Foto: Hermann Achenbach