Spiralengang
01.02.2012 von Cornelia Vierkant
Fast jeder Mensch träumt von einem Aufstieg. Bildlich gesprochen
könnte man sagen, er wünscht sich, den "Turm von
Olympus" zu ersteigen, den Turm, der bis in den Himmel reicht.
Das Bild ist ein altes Symbol für den spirituellen Aufstieg.
Findet der Mensch dort die Glorie und die Wahrheit seines Lebens und
Werdens?
Findet er den wahren Sinn seines Lebens und die Hilfe, ihn zu
realisieren?
Fest steht, dass die Spitze des Turmes nur über einen langen
Spiralengang zu erreichen ist. Was kann das für mich und mein Leben
bedeuten?
Bedeutet es, etwas erfahren, erleiden, erkennen zu müssen? Immer
wieder, bis eine Heilssehnsucht in mir aufsteigt, die mich veranlasst,
mich aus den Niederungen des bisherigen Lebens zu erheben? Aus den
Niederungen des Stoffes und des damit verbundenen Fühlens und
Wollens und des materiellen Denkens?
Ja, so erfahre ich es. Und mit jeder weiteren Stufe steht vor mir, was
noch nicht von mir gelöst oder aufgelöst werden konnte. Auf
jeder neuen Stufe gibt es Neues zu erkennen, zu erleiden und zu
erfahren.
Setzt man den Aufstieg fort, ohne sich von äußeren Dingen
ablenken zu lassen, kann man bemerken, dass die Last des Schicksals mit
der Zeit leichter wird, bis schließlich kaum noch Gewicht empfunden
wird. Dieses Ziel steht mir vor Augen. Denn liegt die Spitze des Olymp
in unmittelbarer Nähe, wird die Pilgerschaft durch Not und Tod bald
bewältigt sein. Oben angekommen, können wir eine neue
Lebensaussicht genießen. Das Land der Seele und des Geistes kann
geschaut werden.
Die Spannkraft für diese Wanderung stammt aus dem inneren Ruf des
Geistes, der im Herzen erklingt und mich mit der Kraft der Ewigkeit
verbindet. Er gibt die Impulse für den Aufstieg.
Ein Aufatmen geht durch das Wesen, die Horizonte sind frei.
Das Empfinden einer in sich geschlossenen und zugleich offenen Welt im
eigenen Inneren, das Bewusstsein der eigenen geistigen Struktur, die
sich einem Umfassenderen angleicht, entsteht. Körper, Seele und
Geist vereinigen sich zu neuem Werden.
Ich wünsche mir, dass viele diese neue Lebensmöglichkeit
ergreifen, dass sie Goldsucher werden, die nach dem Gold des Geistes
forschen. Ich erlebe Wegstationen, an denen sich neues Empfinden und
Denken formen.
Wohl werden wir nicht ermessen, wie weit wir unseren Spiralengang in die
Höhe führen können.
Sicher ist, dass wir mit den gesammelten Erfahrungen dieses Aufstieges,
mit unseren Einsichten und Visionen wieder hinuntergehen und sie anderen
pilgernden Menschenseelen mitteilen. Wir können sie ermuntern, den
Spiralengang auf sich zu nehmen.
Foto: Hermann Achenbach